Intervention als Stufenmodell
Eine Intervention in Bezug auf eine Schülerin oder einen Schüler wird in den meisten Fällen nicht mit einem einzigen Gespräch abgetan sein, sondern entwickelt sich prozesshaft, und zwar in mehreren Phasen bzw. Schritten.
Im Zentrum des Handelns steht ein „Stufenmodell“, das mit einer
Folge von Gesprächen arbeitet, die aufeinander aufbauen. Sie enthalten
Vereinbarungen zwischen Lehrer/Lehrerin und Schüler/Schülerin und
abgestufte Konsequenzen, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten werden.
Jedes Gespräch baut auf dem folgenden auf.
Grundsätzliche Empfehlungen
Gemeinsam statt einsam
Unsere Idee ist, dass Sie und Ihre Kollegen/Kolleginnen sich auf ein gemeinsames, auf Ihre Schulstruktur zugeschnittenes Handlungsmuster einigen.
Konstruktiver Druck
Dieses Modell baut auf dem Gedanken auf, dass Verhaltensänderungen oft nur unter einem konstruktiven Druck möglich werden. Der Schüler/die Schülerin wird jedoch nicht gezwungen mitzumachen, sondern kann frei darüber entscheiden! Das zugrundeliegende Prinzip ist: „Hilfe statt Strafe“.
Klare Schritte
Damit der Schüler/die Schülerin frei entscheiden kann, sollten sämtliche Schritte, Wahlmöglichkeiten und Folgen transparent gemacht werden.
Verantwortung
Nehmen Sie dem Schüler/der Schülerin die Eigenverantwortung nicht durch Vorgaben ab. Konfrontieren Sie ihn/sie bei Nichteinhaltung von Vereinbarungen.
Hilfe für Helfer/Helferinnen
Ziehen Sie eine solch schwierige Aufgabe nicht im Alleingang durch. Holen Sie sich zeitgerecht Unterstützung bei einer Fachperson.
Ausgangslage
.. was bisher geschah
Lehrer/Lehrerinnen
Step 1 |
... stellen ein auffälliges Verhalten bei dem Schüler/der Schülerin fest |
Step 2 |
Systematisches Festhalten der Tatsachen |
Step 3 |
"Reflexion" unter Beiziehen der Kollegen/Kolleginnen oder eines/einer externen Experten/Expertin |
Step 4 |
Interventionsvorbereitung |
Ihr nächster Schritt: |
Erstes Gespräch zwischen Lehrer/Lehrerin und Schüler/Schülerin |
Das Gespräch
Zum Erfolg jedes Gesprächs trägt die Fähigkeit zum aktiven, teilnehmenden
Zuhören ganz entscheidend bei. Zuhören ist die zentrale Aktivität
der Kommunikation – aber auch jene, in der wir am wenigsten geübt
sind und die deshalb volle Konzentration abverlangt. Wenn der oder die Geprächsführende
weiß, was in der Unterredung erreicht, gesagt und erfahren werden soll,
kann die Aufmerksamkeit auf das aktive Zuhören gerichtet werden. Zudem steigt
die Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur geredet, sondern miteinander gesprochen
wird. Gleichzeitig sinkt die Gefahr einer Verzettelung in „Nebengleisgespräche“.
Konkrete Gesprächsziele, die auch für den Gesprächspartner klar
verständlich sind und realistisch gesteckt werden (z. B. in Bezug auf die
zur Verfügung stehende Zeit für das Gespräch) sind also eine wichtige
Voraussetzung für das Gelingen.
Gesprächsvorbereitung
Beziehen Sie Ihre Vorüberlegungen (Step 1 bis 4) mit ein:
Vorfall/Situation (vgl. Step 2 und 3)
- Was ist eigentlich vorgefallen?
- Wie kann ich die Situation in 2-3 Sätzen umschreiben
- Worin gründen meine Sorgen, Befürchtungen, Ängste?
- Wie geht es mir? Wie nehme ich meine eigene Befindlichkeit wahr?
Ziel (vgl. Step 4)
- Was möchte ich mit diesem Gespräch erreichen?
- Was möchte ich auf jeden Fall vermeiden?
Psycho-Hygiene (vgl. Step 1)
- Wie geht es mir? Wie nehme ich meine eigene Befindlichkeit wahr?
Zeitrahmen
- Wieviel Zeit brauche ich für das Gespräch?
Ungestörtheit
- Wo sind wir für die Zeit des Gespräches ungestört?
Atmosphäre
- Wo fühle ich mich wohl? Wo aber kann sich auch der Schüler/die Schülerin wohl fühlen?
Gesprächseinstieg
- Was kann mir helfen, das Gespräch offen und wertschätzend zu beginnen?
Nutzen Sie bitte die Druckfunktion, damit Sie die von Ihnen angegebenen Texte auch später zur Verfügung haben.
Kontakt aufnehmen mit dem Schüler/der Schülerin
- In welcher Stimmung kommt er/sie?
- Wie gehe ich auf ihn/sie zu?
- Fühlt er/sie sich willkommen?
Das eigentliche Gespräch
- Konfrontieren Sie den Schüler/die Schülerin ohne Umschweife mit den gemachten Beobachtungen.
- Vermeiden Sie Vorwürfe, Anschuldigungen oder Drohungen.
- Stellen Sie keine Diagnosen.
- Gehen Sie von Ihrer persönlichen Betroffenheit aus und geben Sie Ihren Gefühlen klaren Ausdruck.
- Vertreten Sie sich selbst in Ihren Aussagen, d. h. sprechen Sie von sich statt von "man" oder "wir". Vertreten Sie sich selbst. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie sich erwarten.
- Beachten Sie, dass die Hälfte des Beziehungsraumes dem Schüler/der Schülerin gehört, auch die Hälfte an Zeit.
- Beachten Sie nonverbale Signale bei sich und bei dem Schüler/der Schülerin.
- Wann immer die Gelegenheit besteht, unterstreichen Sie positive Aspekte ("Das finde ich eine gute Idee."- "Ich schätze deine Ehrlichkeit." usw.) Unterstützen Sie Ansätze zur Veränderung.
- Bemühen Sie sich, die Situation des Schülers/der Schülerin zu verstehen. Aber behalten Sie auch die nötige Distanz (Aktives Zuhören).
Entscheidung und Abschied
- Kündigen Sie rechtzeitig den Schluss an.
- Suchen Sie ein von beiden Seiten her akzeptiertes Übereinkommen, wie es weitergehen soll.
- Halten Sie Entscheidungen und Beschlüsse schriftlich fest.
- Fragen Sie den Schüler/die Schülerin, was er/sie noch braucht.
- Vereinbaren Sie einen Termin für ein zweites Gespräch.
- Runden Sie das Gespräch ab. Danken Sie für die Bereitschaft zum Gespräch.