Primäre Suchtprävention an Schulen - gesetzliche Grundlagen

Die Zielsetzungen des Grundsatzerlasses (BMUK) vom 4.3.1997 zum Unterrichtsprinzip "Gesundheitserziehung" gelten auch für die primäre Suchtprävention: Gestaltung der Schule als gesundheitsförderliche Lebenswelt unter Einbeziehung aller im schulischen Alltag beteiligten Personen / Förderung persönlicher Kompetenzen und Leistungspotentiale der Schülerinnen im Hinblick auf gesundheitsbewusstes, eigenverantwortliches Handeln und Wissen / Vernetzung von Schule und regionalem Umfeld / Förderung von kommunikativen und kooperativen Kompetenzen der LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen sowie der Kommunikationsstrukturen zwischen LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern/Dokumentation und Verbreitung innovativer Projekte und Maßnahmen.

Auszüge aus dem Grundsatzerlass

Allgemeine Vorbemerkungen

Schulische Gesundheitsförderung umfasst nicht nur die Infor­mation über Gesundheitsthemen und das Einwirken auf das Verhalten des Einzelnen, sondern auch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Lebensraumes.

Gesundheitsförderung steht somit für ein neues und erweiter­tes Konzept, das in gleicher Weise die körperliche und geistige sowie die soziale Gesundheit betont. Der Begriff der "sozialen Gesundheit" verweist aber nicht nur auf die Beziehungen zu anderen Personen, sondern auch auf den Einfluss, den soziale Organisationen wie Schulen als unmittelbare Lebenswelt haben.

Die "Gesundheitsfördernde Schule" entfaltet eine umfassen­de Betrachtungsweise von Schule als Lebens- und Erfah­rungsraum. In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verste­hen. Ganzheitliche Gesundheitsförderung bezieht sich auf die gegebene Realsituation vor Ort mit ihren Entwicklungschan­cen, Schwierigkeiten und Grenzen und nicht auf eine erwünsch­te Idealsituation.

Aufgaben

Laut § 2 (I) SchOrgG und § 17 SchUG ist es die Aufgabe der Schule, die Schülerinnen und Schüler in der Entwicklung ihrer Anlagen im allgemeinen und in ihrer gesamten Persön­lichkeit zu fördern

Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrerlnnen sind am Lebens- ­und Lernort Schule vielfältigen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt wie z.B. schulischem und beruflichem Leistungs­druck, sozialem Anpassungs- und Konsumdruck, Bewegungs­mangel, einseitiger Ernährung, Kommunikations- und Bezie­hungsproblemen, Ausgrenzung als soziale oder ethnische Minderheit.

Die traditionelle Form der Gesundheitserziehung zielt dar­auf ab, durch verstärkte Information und Aufklärung über riskante Verhaltensfaktoren z.B. Bewegungsmangel, Alkohol- ­und Nikotinmissbrauch, einseitige Ernährung, eine individu­elle Verhaltensänderung zu bewirken. Das Konzept der Gesundheitsförderung stellt die Verantwortung des Einzelnen für sich selbst und für die Gesellschaft in den Mittelpunkt. Gesundheit wird von den Menschen in ihrem alltäglichen Arbeits- und Lernumfeld geschaffen und gelebt.

Die neue Qualität der Gesundheitsförderung liegt daher einerseits in einem erweiterten Gesundheitsverständnis, d.h. es berücksichtigt die physische, psychische und soziale Gesundheit, und andererseits auch in der Schaffung eines gesundheitsfördernden Arbeits- und Lernumfeldes. Schulische Gesundheitsförderung ist daher zentraler Be­standteil jeglichen pädagogischen Handelns und sie ist in allen Schularten und Unterrichtsgegenständen zu verwirklichen.

Zielsetzungen

Vorrangige Ziele der Gesundheitsförderung sind:

Grundlagen für die Gesundheits­förderung in Schulen - Lehrpläne

In der Volksschule findet Gesundheitsförderung eine schwerpunktorientierte Beachtung in den Lehrplänen für die Unterrichtsgegenstände Sachunterricht und Leibesübungen. An den Hauptschulen, allgemeinbildenden höheren Schulen und Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik und für Sozialpädagogik sind Inhalte der Gesundheitserziehung ein wesentlicher Bestandteil der Unterrichtsgegenstände Biologie und Umweltkunde, Hauswirtschaft und Ernährung, Haus­haltsökonomie und Ernährung, Leibesübungen, Psycholo­gie, Pädagogik, Gesundheitslehre und Werkerziehung.

Weiters bietet die unverbindliche Übung "Interessen- und Begabungsförderung" an Volksschulen und Hauptschulen die Möglichkeit zur Gesundheitsförderung.

In der Polytechnischen Schule bilden Gesundheitslehre, Le­benskunde, Leibesübungen sowie zusätzliche alternative Pflichtgegenstände wie Hauswirtschaft und Kinderpflege, erweiterte Gesundheitslehre und Werkerziehung (Schwer­punkt B.: textiler Bereich-Wohnen) eigene Unterrichtsge­genstände.

Im berufsbildenden Schulwesen werden Inhalte der Gesund­heitserziehung im Rahmen von Pflichtgegenständen (Kern­bereich und Erweiterungsbereich), z.B. in Biologie und Ökologie, Ernährung und Leibesübungen behandelt.

Gesundheitserziehung ist als Unterrichtsprinzip in den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen, der Berufsschulen, der Handelsakademien und Handelsschulen, der Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe und der Bildungs­anstalten für Kindergartenpädagogik und für Sozialpäda­gogik verankert. Das Unterrichtsprinzip soll nicht eine Vermehrung des Lehrstoffes bewirken, sondern zu einer besseren Koordination und überlegteren Auswahl des im Lehrplan festgelegten Lehrstoffes beitragen.

Durch schulautonome Lehrplanbestimmungen können zu­sätzliche Schwerpunkte in Form von Freigegenständen und unverbindlichen Übungen festgelegt werden.

Schule als Arbeitsplatz und Lebensraum

In Zusammenarbeit aller Beteiligten soll die räumliche Ge­staltung der Schule, der Klassenzimmer und der Umfeldbe­dingungen so vorgenommen werden, dass sie den tatsächlichen Bedürfnissen sowie den Arbeits- und Ta­gesrhythmen der Lehrerlnnen und Schülerlnnen entspricht. Hier geht es z.B. um die Gestaltung von Klassenzimmern, Gängen, Aufenthaltsräumen, Außenanlagen, um Verbesse­rungen der Versorgungseinrichtungen, wie Beleuchtung, Belüftung, ökologische Reinigung der Schulräume, Müllver­meidung, Mülltrennung, Müllentsorgung.

Auch die Verfügbarkeit von Bewegungs-, Spiel- und Anregungs­material während der Pausen, die Gestaltung des Eingangsbe­reiches u.v.m. sind geeignet, die Schule als Arbeitsplatz und Lebensraum gesundheitsfördernd zu gestalten.

Vernetzung verschiedener Lebenswelten

Die Schule als relevante Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler allein kann das Gesundheitsverhalten nicht maß­geblich verändern. Für ein gesundheitsbewusstes und eigen­verantwortliches Handeln der Schülerinnen und Schüler haben die Vorbildwirkung der Eltern, Geschwister, Lehre­rlnnen und insbesondere auch Gruppenprozesse (z.B. das Umgehen mit Freunden und Eltern, Konflikte) besondere Bedeutung.

Rollenspiele, Stegreifstücke oder Zeichenspiele können Schülerinnen und Schüler helfen u. a. mit Gruppendruck selbst­bewusst umzugehen, bei Konflikten in der Klasse, im Freundes­kreis und der Familie gemeinsame Lösungsstrategien zu erarbeiten und Probleme zu bereinigen. Themen sind z.B. "Ein Konflikt in der Pause", "Wie streite ich?", "Wie löse ich Kon­flikte?" oder auch Situationen, in denen gesundheitsschädliches Verhalten sichtbar wird.

Die gute Zusammenarbeit mit den Eltern und auch mit außerschulischen Expertinnen ist eine weitere Stärke einer "Gesunden Schule".

Dazu gehören z.B. Elternabende, die unter ein "gesundheits­bezogenes Leitthema" gestellt werden und regelmäßige In­formation der Eltern (durch Klassenzeitungen etc.) ebenso wie Kooperationen mit der/dem Schulärztin/Schularzt, Schulpsycholog/innen, außerschulischen Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Gemeinde, mit Vereinen und mit Partnerschulen.

Soziale Schulkultur

Der Begriff "Soziale Schulkultur" bezieht sich auf die Qualität der Kommunikation, Kooperation und Entscheidungsfindung in der Schule.

Bei der Gestaltung einer guten sozialen Schulkultur geht es um die Förderung des Selbstwertgefühles und der Selbständigkeit von Schülerlnnen und Lehrerlnnen, guter sozia­ler Beziehungen aller Beteiligten und eines konstruktiven Umganges mit Schulstress. Das kann z. B. durch die gemein­same Formulierung der Hausordnung durch die Schulge­meinschaft, Partizipation von Schülerlnnen und Lehrerlnnen in Entscheidungsprozessen, Transparenz der Entscheidungs­strukturen, um die Verantwortung der Beteiligten aber auch ihre Einwirkungsmöglichkeiten im schulischen Alltag zu erhöhen, und durch die Berücksichtigung von Gesundheitskriterien bei alltäg­lichen Entscheidungen geschehen.

Schule als Ort des sozialen Wohlbefindens soll Individualität und Eigentätigkeit aller am Schulalltag Beteiligten zulassen und fördern.

Ein positives soziales Schulklima ist eine wichtige Vorausset­zung für die Zusammenarbeit von Schülerlnnen, Lehrerlnnen, Eltern, SchulärztInnen, SchulpsychologInnen und außerschu­lischen ExpertInnen.

Zusammenarbeit/Team

Gesundheitsförderung erfordert systematische (fächer- und klassenübergreifende) Zusammenarbeit der Lehrerlnnen in­nerhalb jeder Schule, Austausch von Arbeitsmaterialien und Ideen und fixe Termine für Planung und Vorbereitung.

Die Einrichtung eines Projektteams ist ein wichtiger Ent­wicklungsschritt, um diese Zusammenarbeit effektiv zu ge­stalten. Es sind auch Strukturen und Netzwerke erforderlich, die die Diskussion und Reflexion über Projekte sowie ge­plante Aktivitäten im Bereich der Gesundheitsförderung ermöglichen. So sollte bereits bei der Stundenplanerstellung auf gleichzeitige unterrichtsfreie Zeit der Teammitglieder geachtet werden. Ein "gut eingespieltes Team" kann das Engagement weiterer Kolleginnen und Kollegen bedeutsam stimulieren.

Schulleitung und Lehrerlnnen sollten unter Einbindung von Schülerlnnen und El­tern in einem ersten Schritt gemein­sam konkrete Zielsetzungen ihrer gesundheitsfördernden Aktivitäten erarbeiten. In einem zweiten Schritt kann die konkrete Arbeit in und außer­halb des Klassenzimmers unter Nutzung lokaler und regionaler Ressourcen be­ginnen.

Ohne offensive Unterstützung durch die Schulleitung können schulinterne Veränderungsprozesse kaum in Gang gesetzt werden. Die Aufgabe der Schul­leitung wird es sein, alle Lehrerlnnen und Schülerlnnen in ihrer Innovationsbereitschaft zu unterstützen und flexible organisatorische Rahmenbedingungen durch einvernehmli­che Absprachen mit den Beteiligten und unter Berücksichti­gung der regionalen Möglichkeiten zu schaffen.

Unterrichtsformen

Die Methoden des Projektunterrichtes und des ganzheitlich-krea­tiven Arbeitens dienen der Gesundheitsförderung, indem sie eine individuelle Lern- und Arbeitskultur fördern.

Bei der Arbeit an Projekten wirken unterschiedliche organi­satorische Einheiten, Gruppen und Personen im Interesse eines gemeinsamen Zieles zusammen. Damit wird interdis­ziplinäre, klassenübergreifende und auch schulübergreifende Zusammenarbeit möglich.

Zur "Herstellung von Wirklichkeitsbezügen", Förderung "So­zialer Interaktion" und "Partizipation" sind unterschiedlichste Lernformen geeignet z.B. Soziales Lernen, projektorientiertes Lernen, Erstunterrichtsmethode, peer-teaching (Schülerlnnen betreuen Schülerlnnen), offene Lernformen, vernetztes Lernen etc. Schulinterne Fortbildung hat innerhalb der Gesundheitsför­derung große Bedeutung, wenn sie als schulstandort- und bedürfnisorientiertes Instrumentarium zur Entwicklung von neuen Strategien genutzt wird. Schulinterne Fortbildungen sollten gemeinsam mit Expertinnen zu verschiedenen Themen wie z.B. Teambildung, Konfliktbewältigung, Projektma­nagement, Dokumentation, aber auch zu gesundheitsbezoge­nen Themen wie z.B. Stress, Einsatz von Sitzbällen, Gesunde Ernährung, u.v.m. durchgeführt werden.

© Österreichische ARGE Suchtvorbeugung 2005 ff. || Powered by Website Baker