Lexikon - Definitionen

Abführmittel (Laxantien)

Missbräuchliche Verwendung häufig bei Essstörungen

körperliche Folgen: Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes, als Folge davon Darmträgheit, Leber- und Nierenschäden. Bei regelmäßigem Gebrauch können Laxantien zu Abhängigkeit führen.

Abhängigkeit

Körperliche (physische) Abhängigkeit besteht dann, wenn nach längerem und regelmäßigem Konsum eines Suchtmittels (v.a. von Alkohol, Beruhigungs-, Schmerz- und Schlafmitteln sowie Opiaten und opiatähnlichen Stoffen) der Körper sich an diese Wirkung gewöhnt hat und eine körperliche Toleranz gegenüber der Droge entstanden ist.

Dies hat zur Folge, dass der Konsument zunehmend größere Mengen davon benötigt, um die erwünschte psychische und/oder physische Wirkung zu erzeugen. Ein plötzliches Absetzen der Droge bringt den Stoffwechsel des Organismus in Unordnung, es treten Entzugserscheinungen auf.

Seelische (psychische) Abhängigkeit beinhaltet ein unwiderstehliches, maßloses Verlangen nach der weiteren Einnahme der Droge, um Unlustgefühle zu vermindern und Wohlgefühle herzustellen. Psychische Abhängigkeit ist besonders schwer zu überwinden.

Entzugserscheinungen: v.a. Unruhe, Depression, Angstzustände.

Ausschließlich psychische Abhängigkeit verursachen im allgemeinen Cannabis und Halluzinogene, wobei fallweise durch sehr starken Cannabiskonsum über längere Zeit auch körperliche Abhängigkeit hervorgerufen werden kann. Kokain sowie Amphetamine machen besonders stark psychisch abhängig. (vgl. ergänzend dazu Sucht, Suchtpotential und Ursachen süchtigen Verhaltens)

Ablösung

Häufig als krisenhaft erlebte Zeit der Aufhebung bzw. Lockerung einer seelischen Bindung, d.h. einer seelischen Abhängigkeitsbeziehung zwischen zwei Menschen (z.B. des Kindes von den Eltern im Verlauf der psychischen Reifung, besonders zur Zeit der Pubertät).

Abstinenz

Völliger Verzicht auf die Droge bzw. Suchtmittel, von der eine körperliche Abhängigkeit besteht. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung, danach muss die Abstinenz beibehalten werden, da selbst eine Minimaldosis der Droge/Substanz - auch nach langer Enthaltsamkeit - einen schweren Rückfall auslösen kann.

In Abstinenzkulturen ist jeglicher Alkoholkonsum verboten und mit Geld- oder Gefängnisstrafen bedroht. Beispiele: Libyen, Saudi-Arabien, Iran, etc. (vgl. zum Unterschied dazu Ambivalenzkulturen). Der Begriff Abstinenzkultur, wie er hier beschrieben ist, bezieht sich nur auf Alkohol, es gibt keine Kultur, in der jegliche Rausch- und Suchtmittel verboten sind.

Adipositas (Fettsucht)

Die Betroffenen essen regelmäßig mehr, als ihr Körper braucht. Häufig haben adipöse Menschen viele Diätversuche hinter sich, nach welchen ihr Körpergewicht immer mehr aus dem Gleichgewicht gerät und somit weiter zunimmt. Sie empfinden ihr Essverhalten und ihr Körpergewicht als nicht kontrollierbar, das Gefühl für Sattsein und Hunger fehlt. Essen dient dazu, Gefühle wie Trauer, Ärger, Wut, Langeweile, Frustration zu überdecken. Während bulimische (vgl. Bulimia nervosa) und anorektische (vgl. Anorexia nervosa) Frauen meist therapeutisch behandelt werden, unterliegen an Adipositas Erkrankte umfangreichen Erziehungsmaßnahmen zu normgerechtem Verhalten und Aussehen

Körperliche Folgen: Herz-Kreislaufstörungen, Diabetes, Gicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Gelenksleiden, Wirbelsäulenschäden, Schlaganfälle.

Latente Fettsucht: besteht dann, wenn durch anhaltende Diäten und eine eingeschränkte Kalorienzufuhr mit viel Mühe das Gewicht gehalten werden kann.

AIDS

AIDS ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Acquired Immune Deficiency Syndrome", d.h. "Erworbene Immun-Abwehrschwäche". AIDS wird durch den HIV (Human Immunodeficiency Virus) verursacht. Eine Infektion mit HIV führt zur Bildung von Antikörpern, die der HIV-Test nachweisen kann. HIV kann nach Monaten oder Jahren AIDS auslösen, zwischen einer Infektion und dem Ausbruch der Krankheit vergehen in der Regel mindestens drei bis vier Jahre. Die Ansteckung selbst kann völlig unbemerkt bleiben, kann aber auch mit vorüber gehenden Krankheitserscheinungen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen usw. einher gehen. Bei einem Teil der Infizierten kommt es nach Monaten bis Jahren zu einem Krankheitsbild, das als ARC (AIDS-Related-Complex) bezeichnet wird und sich in folgenden Symptomen äußert: anhaltende Lymphknotenschwellung, Durchfall, Leistungsabfall, Fieberschübe, Gewichtsverlust. Nur ein Teil der Angesteckten entwickelt im Verlauf von ca. 2 - 5 Jahren AIDS. Bei voll ausgebildetem Krankheitsbild werden die körpereigenen Abwehrstoffe so geschwächt, dass der Körper mit sonst harmlosen Infektionen nicht mehr fertig wird und die Krankheit schließlich tödlich endet.

Übertragungswege:

Das HIV ist v.a. in Blut, Sperma und Vaginalsekret sowie in Spuren in allen Körperflüssigkeiten enthalten. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich beim nicht durch Kondom geschützten Geschlechtsverkehr. Weiters sind Drogensüchtige gefährdet, die nicht desinfizierte Injektionsnadeln und -spritzen verwenden. Bis Mitte der Achtzigerjahre galten homosexuelle Männer als Hauptrisikogruppe, mittlerweile ist jedoch klar, dass ungeschützter heterosexueller Geschlechtsverkehr ebenfalls ein Risiko darstellt. Auch ein Teil der von HIV-positiven Müttern geborenen Kinder ist infiziert. Infektionen über Muttermilch scheinen möglich, alle anderen Körperflüssigkeiten spielen für die Übertragung keine Rolle.

Alcopops

Alcopops zählen zu den Designerdrinks. Sie sind Mischgetränke aus Limonade sowie vergorenem und/oder destilliertem Alkohol. Sie richten sich durch ihre poppige Verpackung und den süßen, stark limonadeähnlichen Geschmack bewusst an ein sehr junges Publikum.

Alkohol

Stoffe und Mittel:

Wein, Bier, Spirituosen, ...

Wirkung:

Entspannend, betäubend, berauschend

Rauschtypen: läppisch-heiter oder gereizt-aggressiv, beruhigt

Anwendung:

Trinken

Medizinische Bedeutung:

In Tinkturen als Arzneimittelträger oder zur äußerlichen Anwendung

Missbrauchsmuster:

In Gesellschaft, allein und heimlich, kontinuierlich, periodisch

Abhängigkeit:

Körperliche und seelische

Akute Krankheitsbilder:

Abnorme Alkoholreaktionen, Delirium tremens, Halluzinose, Vergiftung mit Todesfolge

Langzeitfolgen:

Leberschaden (Zirrhose), Magengeschwür, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Hautveränderungen (talgig, rötlich, Unreinheiten) Polyneuropathie (Schädigung der Nervenbahnen), Gehirnschwund, Epileptische Anfälle, Verwahrlosung

Ambivalenzkulturen

In Ambivalenzkulturen ist der Vertrieb und Gebrauch von Alkohol verschiedenen Beschränkungen unterworfen. Gleichzeitig ist der Alkoholkonsum aber quasi selbstverständlich in viele alltägliche Handlungsabläufe eingebunden. In solchen Kulturen gibt es vor allem Konflikttrinker und süchtige Trinker mit Kontrollverlust. Gewohnheitsmäßige und kontinuierliche Trinker treten dagegen zurück. Beispiele: Österreich, Deutschland, Schweiz, England, Dänemark. (vgl. zum Unterschied dazu Abstinenzkulturen)

Amotivationales Syndrom

Labilität, Passivität, Motivationsverlust, emotionale Verflachung - u.a. als Folge regelmäßigen Cannabisgebrauchs beschrieben, wissenschaftlich jedoch zweifelhaft, da in epidemiologischen Studien nicht nachweisbar; Kausalzusammenhang zwischen Konsum und Amotivationalem Syndrom nicht zwingend; (vgl. dazu Cannabis)

Analytische Therapien

Psychoanalytische Konzepte, welche sich mit Abhängigkeit beschäftigen, weichen in einigen Bereichen vom klassischen analytischen Ansatz (Analyse von Übertragung und Widerstand) ab. Bei der Behandlung von Suchtpatienten erfolgt eine andere Schwerpunktsetzung. Im Mittelpunkt steht eine Stützung von defizitären Ich-Funktionen (z. B. Aufschub, Realitätswahrnehmung, Einfühlung etc.) und eine Verbesserung der Frustrationstoleranz zur Erlangung einer größeren emotionalen Reife. (vgl. dazu allgemeiner Psychotherapie)

Angsterkrankungen

Bei den Angsterkrankungen unterscheidet man die Phobien, welche im Zusammenhang mit einem Objekt (z. B. "Spinnenphobie", "Schlangenphobie") oder einer Situation ("Flugangst", "Angst vor Menschenmengen") auftreten, von den "frei flottierenden" Ängsten, bei denen der Lebensvollzug der Betroffenen ständig durch eine schwankend intensive Ängstlichkeit eingeschränkt ist. Kennzeichnend für die Phobie ist, dass die Angst vor dem auslösenden Reiz im Vergleich zu der objektiven Gefahr unangemessen groß ist. Verschiedenen epidemiologischen Studien zufolge stellen Angsterkrankungen bei Frauen die häufigste und bei Männern die zweithäufigste (nach den Abhängigkeitserkrankungen) Form der psychischen Störung dar. In der Therapie werden je nach Art und Ausmaß des individuellen Leidens neben psychotherapeutischen Interventionen und Entspannungstechniken auch antidepressive Medikamente eingesetzt.

Anonyme Alkoholiker

Die Anonymen Alkoholiker sind eine 1935 in Amerika von zwei trockenen Alkoholikern gegründete Selbsthilfegruppe, zu der mittlerweile mehr als 70.000 Gruppen in ca. 115 Ländern zählen. Einzige Voraussetzung um in eine Gruppe aufgenommen zu werden, ist die Bereitschaft mit dem Trinken aufhören zu wollen. Die Gruppen sind demokratisch organisiert und die Mitglieder bleiben weit gehend anonym. Bei den Gruppengesprächen gibt es keinen professionellen Leiter, einführende und erklärende Erläuterungen werden von erfahreneren Mitgliedern vorgenommen. Ein wichtiger Schritt, um vom Alkoholismus loszukommen, ist für die Anonymen Alkoholiker das Eingestehen der Krankheit. Sie gelten als Vorbild aller anderen Selbsthilfegruppen. Es ist ihnen gelungen einen Einstellungswandel zu bewirken, der dazu geführt hat, dass sich in Amerika sogar Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu ihrer Krankheit bekennen. Mittlerweile gibt es auch Selbsthilfegruppen für die Angehörigen von alkoholkranken Menschen (Alanon) und für die Kinder von Alkoholkranken (Alateen).

Anorexia nervosa (Anorexie, Magersucht)

Die Betroffenen verweigern bzw. reduzieren die Nahrungsaufnahme immer mehr, bis sie ein lebensbedrohliches Untergewicht erreicht haben. Oft gekoppelt mit Fressattacken und anschließendem Erbrechen.

Beginn häufig während der Pubertät:

Pubertätsmagersucht kann sich aber zu einer längerfristigen Krankheit manifestieren.

Häufigkeit: ca. 1 % der Mädchen in den westlichen Industrienationen sind magersüchtig, weitere 4 % sind gefährdet. Bei Burschen 10 - 15mal seltener, Zahlen sind für beide Geschlechter ansteigend.

Merkmale: starker Gewichtsverlust, z.T. gefördert durch Missbrauch von Appetitzüglern und Abführmitteln, mangelnde Krankheitseinsicht, Verzerrung der Körperwahrnehmung, zwanghafte Beschäftigung mit Essen, exzessive Sportausübung und Hyperaktivität, extreme Leistungsanforderungen an sich selber (z. B. schulische Leistungen)

körperliche Folgen: Ausbleiben der Menstruation, Absinken des Blutdrucks und des Herzschlags, Haarausfall, Stoffwechselstörungen, chronische Verstopfung, Nierenfunktionsstörungen, Konzentrationsstörungen; führt in 10 % der Fälle zum Tod.

Antidepressiva

Psychopharmaka, die v.a. bei Depressionen und depressiven Verstimmungen eingesetzt werden. Wirken stimmungsaufhellend und antriebssteigernd oder angstlösend dämpfend. Der antriebssteigernde Effekt setzt bereits nach ein paar Tagen, der stimmungsaufhellende erst nach einigen Wochen ein. Dieser Wirkmechanismus ist vor allem in der Behandlung von akut suizidgefährdeten Menschen zu berücksichtigen. Antidepressiva wirken nicht kausal, sondern helfen lediglich, die Symptomlage zu verbessern.

Appetitzügler

Amphetamin-Präparate sowie eine Reihe chemisch verwandter Verbindungen, ursprünglich entwickelt zur Reduktion des Hungergefühls, sind suchtbildend (siehe Stimulantien).

körperliche Folgen: Bluthochdruck, psychomotorische Erregung

Autoaggression

Gegen die eigene Person gerichtete Aggression, welche auftritt, da ein Ausleben der Aggression gegen die eigentlich verantwortliche Person auf Grund von verinnerlichten Tabus (z. B. den Eltern gegenüber) nicht möglich ist, oder da die für den Konflikt verantwortlichen Umstände vom Individuum nicht erkannt werden. Dazuzuzählen sind absichtlich hervorgerufene Körperverletzungen (Selbstverletzung - Schnitte, Stiche, Einritzungen), aber auch jegliche Formen des schweren Suchtmittelmissbrauchs.

Autogenes Training

Das Autogene Training ist ein Entspannungsverfahren, welches vom Psychiater J. H. Schultz entwickelt wurde. Durch stufenweise erlernbare Übungen soll der Organismus in einen angenehmen Ruhezustand versetzt werden. Angewendet wird das Autogene Training zum Spannungsausgleich, bei Konzentrationsproblemen, bei Schlafstörungen, zur Schmerzbeeinflussung, zur Gedächtnissteigerung etc. Studien belegen, dass das volle Ausmaß der positiven Beeinflussung des Autogenen Trainings erst erreicht wird, nachdem die Übungen über sechs Monate hinweg regelmäßig angewendet wurden. Die Wirksamkeit wurde mittlerweile in vielen Untersuchungen belegt. (vgl. dazu allgemeiner Entspannungsverfahren)

Benzodiazepine

Benzodiazepine sind seit ca. 1960 eine der wichtigsten Medikamentengruppen (z. B. Valium, Librium, Rohypnol) in der Medizin. Neben der schlafinduzierenden haben sie auch eine angstlösende und muskelentspannende Wirkung. Die Gefahr von Benzodiazepinen besteht in der relativ schnell einsetzenden Toleranzbildung und dem somit hohen Abhängigkeitspotential. Von Drogenabhängigen werden sie zur Bekämpfung von Entzugssymptomen oder in hohen Dosen zur Erreichung paradoxer Effekte (Enthemmung, Wachheit) eingesetzt. Von einer Benzodiazepin-Abhängigkeit sind häufiger Frauen als Männer betroffen, wovon aber meist nicht einmal die nächsten Angehörigen informiert sind. Das Absetzen dieser Medikamente muss unbedingt unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, da die Entzugserscheinungen zu schweren Zustandsbildern (Angst- und Panikanfälle, Herzrasen, Wahrnehmungsstörungen, etc.) führen können. (vgl. Medikamentenabhängigkeit)

Beratungsstellen

Beratungsstellen sind öffentliche Einrichtungen, die unverbindlich, anonym und grundsätzlich kostenlos aufgesucht werden können. Man erhält dort Hilfe von Fachleuten verschiedener Professionen (Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen, Juristen etc.) in den Bereichen Erziehung, Schule, Ehe und Partnerschaft, Sexualität, Abhängigkeit, Gesundheit und Schwangerschaft, Schulden, ....

Für bestimmte langfristige Angebote (z.B. Psychotherapie) kann ein Kostenbeitrag eingehoben werden.

Beschäftigungstherapie

Die Beschäftigungstherapie ist kein eigenständiges psychotherapeutisches

Verfahren, aber ein wichtiger Therapiebaustein in der Behandlung von PatientInnen mit den verschiedensten psychischen Störungen. Beim kreativen Spiel und Arbeiten mit verschiedenen Materialien (Ton, Farben, Holz, etc.) sollen schöpferische Kräfte freigesetzt werden und Inhalte zum Ausdruck gebracht werden, die verbal nicht dargelegt werden können. Die Therapie kann auf bestimmte Symptome (Angst, Misstrauen, Wahn) abgestimmt oder allgemeingerichtet sein. Da BeschäftigungstherapeutInnen häufig mit mehreren PatientInnen zugleich arbeiten, kommen auch Aspekte der Gruppendynamik zum Tragen.

Bulimia nervosa/Bulimie

Bulimia nervosa (Bulimie, Ess-Brechsucht): gekennzeichnet durch bis zu mehrmals am Tag auftretende, unkontrollierbare Heißhungerattacken, wobei durch anschließendes Erbrechen und/oder Abführmittelmissbrauch bzw. durch rigides Fasten das Gewicht (die Betroffenen haben meist Normalgewicht) gehalten werden soll.

Beginn der Erkrankung liegt meist im dritten Lebensjahrzehnt, manche Betroffene haben schon unter Anorexie gelitten.

Häufigkeit: ca. 5 % der Frauen im Alter zwischen 15 und 50 in den westlichen Industrienationen

Merkmale: heimliche Essanfälle mit anschließendem Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, häufig Koppelung mit Tabletten- und Alkoholsucht

Körperliche Folgen: Herzrhythmusstörung, Nierenschäden, Darmverschluss, Muskelschwäche, Störungen des Elektrolysehaushaltes, Verdauungsschwierigkeiten, Zahnverfall, Menstruationsstörungen (zu anderen Essstörungen vgl. Bulimia nervosa, Anorexia nervosa)

Burnout-Syndrom

Dieses Syndrom tritt bei Arbeitenden in psychosozialen Berufen als Folge von Überlastung und/oder einer falschen Einstellung zu den beruflichen Anforderungen auf. Es verläuft prozesshaft in mehreren Stadien. Symptome sind u. a. emotionale Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, das Gefühl, der Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein, eine abwertend-zynische Haltung gegenüber den Patienten; Hilfe bringt, sowohl präventiv als auch therapeutisch, die Supervision und vor allem das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Grenzen.

Cannabis / Hanf / Haschisch / Marihuana

Stoffe und Mittel:

Cannabis (Haschisch - gepresstes Harz der Hanfpflanze, Marihuana - getrocknete Blüten und Blätter der Hanfpflanze, Haschöl - dickflüssiges, teerartiges Konzentrat)

Wirkung:

Stark abhängig von Umgebung und psychischer Ausgangslage. Gesteigerte Wahrnehmungsbereitschaft, Innenschau, Gemeinschaftsgefühl, Sinnestäuschungen, Veränderung des Raum- und Zeitgefühls. Körperlich zuerst anregend, dann entspannend.

Die Aufmerksamkeit, das Kurzzeitgedächtnis und die Reaktionsfähigkeit können bis zu 24 Stunden nach der Einnahme beeinträchtigt sein, obwohl der Rauschzustand längst nicht mehr anhält. Diese Tatsache ist vor allem bezüglich der Verkehrssicherheit bei anschließenden Autofahrten von Bedeutung.

Anwendung:

Rauchen mit Tabak oder in Pfeifen, Trinken als Tee, schlucken in Speisen

Medizinische Bedeutung:

In Geschichte und Ethnomedizin belegt, heute politisch und wissenschaftlich umstritten; möglich scheint der Einsatz bei Depressionen, Grünem Star, AIDS, Krebs und als Schmerzmittel

Missbrauchsmuster:

Konsum meist in Gemeinschaft, mitunter Dauerkonsum über Monate und Jahre.

Abhängigkeit:

Seelische Abhängigkeit möglich, bei sehr starkem Konsum über lange Zeit fallweise auch leichte Entzugserscheinungen möglich.

Akute Krankheitsbilder:

Angstzustände, akute Verworrenheit, "Flashback", Übelkeit, Schwindel

Langzeitfolgen:

Verminderung der kognitiven Leistungen (Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernfähigkeit), Lungenschäden beim Rauchen, Verstärkung psychischer Probleme, Entwicklungsstörungen bei Konsum in Pubertät.

Persönlichkeitsveränderungen im Sinne eines "amotivationalen Syndroms" (Verlust des Interesses an der Umwelt und Rückzug aus der Realität) werden weiterhin behauptet, sind aber nicht bewiesen.

Fälle von einer Cannabisüberdosierung sind nicht bekannt.

Weitere Informationen zu Cannabis: Expertenpapier zu Cannabis der Österreichichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

Codein (Hustenmittel)

wird im Organismus zumindest teilweise wie Morphin bzw. andere psychotrop wirkende Opioide umgewandelt. Codein ist als Hustentropfen oder -saft erhältlich. Dient als "Ersatzdroge" für Heroin. (vgl. Opiate)

Coping-Strategien

Mit Coping-Strategien sind alle Formen der Auseinandersetzung mit (potentiellen) Konflikt- und Problemsituationen gemeint, welche bewusst, gezielt und geplant (z. B. Erstellen von Organisationsplänen, Einbau von Kontrollmechanismen, Prioritätensetzung etc.) eingesetzt werden können. Sie werden häufig in verhaltenstherapeutischen Programmen eingesetzt, um die Handlungskompetenz der KlientInnen zu erweitern.

Crack (Free Base)

Kokain, mit Backpulver und Wasser vermengt und zu Klumpen verbacken; ist zur Zeit in Amerika sehr stark verbreitet. Die Bezeichnung "Crack" kommt vom knackenden Geräusch, das beim Rauchen entsteht.

Wirkung: gelangt innerhalb weniger Sekunden in die Blutbahn, löst innerhalb von 1 - 5 Minuten einen sehr starken Rausch und eine starke Euphorie aus, die bereits nach 15 Minuten wieder verblasst. Führt zu schwerer psychischer Abhängigkeit.

Anwendung: wird als Zigarette oder aus einer Art Wasserpfeife geraucht.

Akute Krankheitsbilder: Atem- und Herzstillstand, Tod

Langzeitfolgen: Lungenschäden, depressive oder wahnhafte Psychosen

Delirium tremens

Tritt nach jahrelangem Alkoholmissbrauch von meist hochprozentigen Alkoholika auf, unmittelbarer Anlass:

Bei plötzlichem Absetzen des Alkohols nach 2 - 6 Tagen des letzen Konsums

Symptome: Taktile (z. B. kleine Tiere, die sich auf der Person bewegen), optische (z. B. weiße Mäuse) und akustische Halluzinationen (z. B. Stimmen, die die Person verfolgen und beschimpfen); illusionäre oder wahnhafte Verkennung der Umwelt, Fieber, Herz-Kreislaufstörungen; örtliche, zeitliche, situative Desorientiertheit; Schwitzen, Zittern; Angst und Reizbarkeit, aber auch Euphorie und Galgenhumor. Die Letalität des unbehandelten Deliriums beträgt 15 - 30 %, des behandelten 1 - 8 %.

Depression

Symptomkomplex, der in einer gedrückten, traurigen Verstimmung, Interesselosigkeit und Antriebsstörung, einer motorischen und psychischen Hemmung, typischen depressiven Gedankeninhalten (Suizidalität!) und bestimmten somatischen Störungen (Appetitverlust, Schlafstörungen, Magen- u. Darmbeschwerden, starke Verspannungen im Nacken und Rücken...) besteht (vgl. auch Antidepressiva und Psychotherapie). Depression ist abzugrenzen von der Trauer auf ein krisenhaftes Lebensereignis, wenn die Trauer übermäßig lange andauert und/oder übermäßig intensiv erlebt wird.

Sehr häufig treten Tagesschwankungen bezüglich der Stimmung auf (meist Morgentiefs).

Designer-Drogen

Designer-Drogen (z.B. Ecstasy, Ice, PCP):

Verarbeitung/Verbindung verschiedener chemischer Grundstoffe zu neuen Stoffen, die die Wirkung verschiedener Drogen nachahmen. Die Zusammensetzung ist sehr unterschiedlich. Meist in Pillen- oder Kapselform erhältlich.

Wirkung:

Unvorhersehbar, weil je nach chemischer Zusammensetzung sehr unterschiedlich; z.T. ähnliche Wirkung wie bei Amphetaminkonsum: euphorisch, anregend, aufputschend, Steigerung der Sinneswahrnehmung, Halluzinationen

körperliche Folgen: Erregungs- oder Erschöpfungszustände, Herz-Kreislaufstörungen, Nierenversagen, Schlafstörungen

seelische Folgen: Wesensveränderungen, Verwirrtheitszustände, Depressionen, Verstärkung psychischer Probleme, psychische Abhängigkeit

Dopingmittel (Anabolika)

androgene natürliche Hormone und entsprechende synthetische Verbindungen rund um das Sexualhormon Testosteron;

Wirkung körperlich: Vergrößerung der Muskelmasse und Muskelkraft bei gleichzeitiger Verminderung des Körperfettes

Wirkung psychisch: Einfluss auf die Stimmung, die Aggressivität und das Sexualverhalten

Schädigungen: Störung des Herz-Kreislauf-Systems, der Blutgerinnung, Gelbsucht, Leberkrebs; bei Männern: Verkleinerung der Hoden und Verringerung der Samenproduktion; bei Frauen: Regelstörungen, Akne, Vermännlichung durch Änderung der Gesichts- und Körperbehaarung, Glatzenbildung, Vergrößerung der Klitoris, Vertiefung der Stimme und Änderung der Haut. Anabolika erzeugen körperliche und psychische Abhängigkeit.

Drogen

Substanzen, die auf das zentrale Nervensystem einwirken und die das Bewusstsein beeinflussen (psychoaktive Substanzen). Die WHO unterscheidet zwischen folgenden Gruppen:

- Alkohol

- Medikamente (Barbiturate, Amphetamine ...)

- Cannabis (Haschisch und Marihuana)

- Halluzinogene (LSD, Meskalin ...)

- Kokain

- Morphine (Opium, Heroin ...)

- Designer-Drogen (Ecstasy, Speed ...); (vgl. dazu auch Einstiegsdroge)

Drogenabhängigkeit / Addiction

Drogenabhängigkeit ist laut WHO:

"Ein Zustand psychischer oder psychischer und körperlicher Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird." Jedes Rauschmittel kann - wenn auch in unterschiedlicher Qualität - die Psyche des Menschen verändern und psychische Abhängigkeit hervorrufen. Die körperliche Abhängigkeit tritt fast niemals isoliert auf - eine Ausnahme bilden Neugeborene von opiatabhängigen Müttern - sondern immer in Verbindung mit einer psychischen Abhängigkeit.

Drogeninduzierte Psychose

- Auftreten akuter psychotischer Symptomatik nach Einnahme von

Halluzinogenen, Kokain oder Cannabis.

- abnorm verlängerte Rauschzustände

- nach drogenfreiem Intervall wiederkehrende psychotische Episoden

(Flashback)

- Psychosen mit schizophrenoformer (schizoprener, schizophrenieähnlicher) Symptomatik nach Halluzinogenkonsum

Ecstasy/XTC

Ecstasy (MDMA - 3,4-Mehtylendioxy-metamphetamin, XTC, Adam):

Gehört zu den Designer-Drogen, ist die beliebteste Droge der Techno- und Rave-Szene

Gefahren:

Überdosierung, Hitzschlag, Toleranzentwicklung, psychische Abhängigkeit. Nicht immer reines MDMA, oft auch Mischungen mit LSD, Koffein oder Amphetamin.

psychische Wirkungen:

setzen 20 - 60 Minuten nach Einnahme ein und halten ca. 4 - 6 Stunden an: Stimmungsaufhellung und Stimmungshebung, Hochgefühl, aber auch Auslösung von Depressionen, gesteigerte Selbstwahrnehmung im Gefühlsbereich, Angstminderung, aber auch Angststeigerung möglich, erhöhte Einfühlsamkeit; selten halluzinogene Wirkung

körperliche Wirkungen:

Kopfschmerzen, Verkrampfung der Kiefermuskulatur, Augenflinkern, Appetitlosigkeit, Erhöhung der Körpertemperatur, Herz-Kreislauf-Störungen, Nierenversagen, Leberstörungen, Schlafstörungen

Einnahmeformen von Drogen

Rauchen:

Cannabis, Crack, Kokain, Tabak, Opium, Heroin

Pillen- oder Kapselform:

Designer-Drogen, Ecstasy, Tabletten, Amphetamine, Halluzinogene, Heroin

Essen bzw. Trinken:

Cannabiskuchen, Cannabistee, Magische Pilze, Methadon, Mohnkapseltee, Alkohol

Spritzen:

Opiate, Kokain, Amphetamine, Methadon, Designer-Drogen

Schnupfen (sniffen):

Kokain, Opiate, Amphetamine, Designer-Drogen, Tabak

Folienrauchen (Stoff wird auf Alufolie erhitzt und inhaliert):

Heroin, Crack

Inhalieren:

Lösungsmittel, Schnüffelstoffe, Cannabis

Einstiegsdroge

Eine Substanz, deren Konsum zum Gebrauch stärkerer Drogen verleitet. Cannabis wird oft als Einstiegsdroge bezeichnet: Der Umstieg von Cannabis auf Heroin erfolgt aber nicht zwangsläufig; Cannabiskonsum kann allenfalls eine Risikogröße zum Umsteigen sein, ergänzend zu Alkohol-, Zigaretten- und Psychopharmakakonsum.

Energy-Drinks (Red bull, XTC, Flying horse, Ritual ...)

koffeinhaltige Süßgetränke mit unterschiedlichen Zusätzen (Vitaminen, Taurin, Guaranin, Ginseng...)

Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren können bei neurotischen, psychosomatischen und medizinischen Erkrankungen eingesetzt werden, um den Behandlungsverlauf positiv zu beeinflussen. Einen wissenschaftlichen Wirknachweis gibt es für das Autogene Training, die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und das Biofeedback. Auf Grund der schnelleren Erlernbarkeit der Muskelrelaxation im Vergleich zum Autogenen Training wird dieses Verfahren häufiger eingesetzt. Biofeedbackverfahren erfordern einen relativ hohen technischen Aufwand.

Entzug

Ist jemand von einem Suchtmittel abhängig, so kommt es bei Ausbleiben des Suchtmittels zum Auftreten des Entzugssyndroms.

Körperliche Entzugserscheinungen:

Sie setzen wenige Stunden nach der letzten Dosis ein und erreichen 24 - 28 Stunden danach ihren Höhepunkt: Unruhe, Schweißausbrüche, Zittern, Schwächegefühl, Gliederschmerzen, Magenkrämpfe, Muskelzittern, Brechreiz, Kreislaufstörungen, Tränenfluss, massive Temperaturschwankungen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen mit schweren Krampfanfällen und akuten Geistesstörungen. Der körperliche Entzug dauert je nach Droge/Suchtmittel 1 - 4 Wochen.

Ein Entzug sollte mit medikamentöser Unterstützung unter ärztlicher Aufsicht (in einem Krankenhaus) erfolgen.

Seelische Entzugserscheinungen:

Unruhezustände, Angst, Drang zu erneuter Drogeneinnahme, depressive Verstimmungen, Selbstmordgedanken. Der seelische Entzug kann Monate bis Jahre dauern.

Fahruntüchtigkeit

In Österreich ist die Fahruntüchtigkeit per Gesetz mit 0,5 g/l (0,5 ???) festgesetzt. Zu Beeinträchtigungen (verminderte Konzentration, verlangsamte Reaktion, "Tunnelblick", Selbstüberschätzung) des Fahrverhaltens kommt es aber bereits bei deutlich geringeren Blutalkoholkonzentrationen. Zu berücksichtigen ist auch die potenzierende Wirkung bei Einnahme von verschiedenen Medikamenten.

Familientherapie

Im psychotherapeutischen Verfahren der Familientherapie werden psychische Störungen im Zusammenhang des Systems Familie interpretiert. Festgefahrene Strukturen innerhalb des Systems oder in der Kommunikation nach außen wirken sich negativ auf das Verhalten und Erleben der Mitglieder aus. Häufig erkrankt das schwächste Glied ("Symptomträger"). In der Therapie sollen nun mittels verschiedener Techniken (paradoxe Intervention, zirkuläres Fragen) die Kommunikationsstrukturen bewusst gemacht werden, um dem System Familie auf einer neuen Ebene zu einem Gleichgewicht zu verhelfen. Erziehungsberatungsstellen gelten als Domäne der Familientherapie. (vgl. dazu allgemeiner Psychotherapie)

Flash

Hoch- und Glücksgefühl, das kurz nach der Einnahme von Drogen auftritt (v.a. bei Heroin)

Flashback

Wochen bis Monate nach der Einnahme von Cannabis oder Halluzinogenen kann es zu einer Wiederkehr des Rauschzustandes ohne weitere Drogeneinnahme kommen. Hauptgefahr liegt im ungewollten Auftreten von negativen Rauscherlebnissen.

Frauenspezifische Fragen

In verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaft, etc.) werden Ursachen und Strategien der Benachteiligung, Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft untersucht. Gegenstand der Analysen sind u. a. Fragen der Sprachkritik, der Rollenverteilung, der Sozialisation, der Macht, etc.

Frustrationstoleranz

Unter Frustrationstoleranz versteht man die Fähigkeit, über eine gewisse Zeit Frustrationen aushalten zu können. Diese Zeit ist bei suchtgefährdeten Personen erheblich geringer. Ein Ziel in der Therapie von SuchtpatientInnen ist es, die Frustrationstoleranz zu stärken, um sie nicht in schwierigen Situationen zum Suchtmittel greifen zu lassen.

Gefährdungsgrenze

Die Gefährdungsgrenze ist jene Menge reiner Alkohol pro Tag, ab der man längerfristig mit einer Gesundheitsbeeinträchtigung rechnen muss. Laut einer Empfehlung der WHO beträgt diese 60 g (entspricht ca. 1,5 l Bier oder 0,6 l Wein) bei Männern und 40 g (entspricht ca. 1 l Bier oder 0,4 l Wein) bei Frauen. Die Fachleute betonen allerdings in ihren Publikationen als Orientierungsmarke weniger die Gefährdungsgrenze als die Harmlosigkeitsgrenze.

Genussmittel

Der Gebrauch von Genussmitteln wie Kaffee, Tee, Kakao, Nikotin und Alkohol ist in unserer Gesellschaft akzeptiert und integriert. Bei missbräuchlichem Konsum können diese Stoffe aber auch als Rausch- und Suchtmittel verwendet werden.

Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, welches auf den amerikanischen Psychologen Carl Rogers zurückgeht. Die Wirksamkeit soll durch die therapeutischen Variablen Einfühlendes Verstehen (Empathie), bedingungslose positive Wertschätzung und emotionale Wärme (Akzeptanz) und Echtheit (Kongruenz) erfolgen. Die auf das Persönlichkeitsmodell von Rogers zurück gehende Gruppentherapie heißt Encounter-Gruppe. Bei dieser Form der Selbsterfahrungsgruppe liegt die Betonung auf dem persönlichen Wachstum, auf der Entfaltung der Erlebnis- und Ausdrucksmöglichkeiten und der Sensibilität für das eigene und fremde Erleben (vgl. dazu allgemeiner Psychotherapie).

Gestalttherapie

Psychotherapeutisches Verfahren, welche auf das amerikanische Psychologenehepaar Fritz und Lore Perls zurückgeht, und eine Verbindung und Weiterentwicklung psychoanalytischen und existentialistischen Gedankenguts darstellt.

Die Gestalttherapie sieht den Menschen als psychosomatische Einheit von Kognitionen, Emotionen und Motorik. Dieser Organismus ist der Umwelt zugeordnet und bildet mit ihr eine Ganzheit. Er strebt nach Selbstverwirklichung und möchte mit seiner Umwelt im Fließgleichgewicht stehen. Um einer/einem KlientIn therapeutisch helfen zu können, sind laut Fritz Perls fünf Fragenbereiche zentral: Was tust du? Was fühlst du? Was möchtest du? Was vermeidest du? Was erwartest du?

Eine Weiterentwicklung der Gestalttherapie stellt die Integrative Gestalttherapie von H. Petzold dar. (vgl. dazu allgemeiner Psychotherapie)

Glücksspiel

Unkontrolliertes bis zwanghaftes, unersättliches Spielen an Glücksspielautomaten oder anderen Glücksspielen, das die finanziellen Möglichkeiten schließlich übersteigt. Das Denken und die Wahrnehmung kreisen um das Spielgerät bzw. Spielmittel.

Folgen sind:

Vernachlässigung und Desinteresse gegenüber andern Notwendigkeiten des täglichen Lebens;

außerhalb des Spielens:

Apathie, Passivität und Depressivität. Es kommt zum Zerfall persönlicher

Bindungen, familiären Auflösungserscheinungen, Isolation. Der Zwang, Geld zum Spielen zu beschaffen, kann zum allmählichen Anhäufen von Schulden bis hin zum Abgleiten in die Kriminalität führen. Der tage- bzw. nächtelange Aufenthalt in den Spielhallen und die damit verbundene ständige optische und akustische Reizüberflutung belasten die Gesundheit und bringen für viele einen hohen Alkohol- und Nikotinkonsum mit sich.

Gruppendynamik

Sobald mehrere Personen (mindestens drei) in irgendeinem Zusammenhang miteinander zu tun haben, spielen gruppendynamische Prozesse eine Rolle. Es entwickeln sich Strukturen und Beziehungen, die, sofern sie nicht erkannt und reflektiert werden, einen ungünstigen Einfluss auf das Gesamtgefüge ausüben können.

Gruppentherapie

Die Gruppendynamik ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem mehrere Patienten gemeinsam in der Gruppe behandelt werden. Gearbeitet wird - je nach dem therapeutischem Hintergrund der/des GruppenleiterIn - mit verschiedenen Techniken: Feedbackmethode, szenische Aufstellungen, Rollentausch, etc. Die Größe von solchen Gruppen beträgt idealerweise 6 bis maximal 10 Personen. Dem Leiter kommt dabei eine strukturierende, hinweisende und ausgleichende Funktion zu, wobei er seine Interventionen der Dynamik der Gruppe anpassen sollte (Je lebhafter der Prozess, desto öfter wird er z. B. strukturierend oder deutend eingreifen müssen.). (vgl. Gruppendynamik und Psychotherapie)

Halluzinogene / LSD / Mescalin

Stoffe und Mittel:

LSD, Mescalin, Psilocybin, DOM (STP) u.a.

Wirkung:

Abhängig von Umgebungseinflüssen und psychischer Ausgangslage. Störung des Raum- und Zeitsinnes. Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen, Entfremdungs- und Unwirklichkeitserlebnisse

Anwendung:

Schlucken

Medizinische Bedeutung:

Keine, außer experimenteller Verwendung in der Psychoseforschung und Psychotherapie

Missbrauchsmuster:

Konsum meist in Gemeinschaft, kein Dauerkonsum, aber oft häufige Einnahme (300 "Trips" und mehr)

Abhängigkeit:

Seelische

Akute Krankheitsbilder:

"Horror-Trip" = Angstpsychose, akute Verworrenheit, Nachhallpsychosen, Auslösung neurotischer und psychosomatischer Syndrome. Förderung von Psychosen

Langzeitfolgen:

Störung der räumlich-zeitlichen Einordnung, des Verhältnisses zur Realität, Verlust des Planungsvermögens und des Antriebs, Flash-Backs

Harmlosigkeitsgrenze

Jene Menge Alkohol, die ein gesunder Mensch über einen längeren Zeitraum täglich zu sich nehmen kann, ohne mit gesundheitlichen Problemen rechnen zu müssen. Laut einer Empfehlung der WHO beträgt diese für Männer 24 g und für Frauen 16 g.

Hassliebe zum Suchtobjekt

Eine psychoanalytische Theorie besagt, dass bei Formen der Regression in eine prägenitale Entwicklungsstufe ein oral-kannibalistischer Mechanismus an die Stelle reiferer Abwehrformen, wie sie beispielsweise die Verdrängung darstellt, tritt. Das Objekt der Begierde soll zum Verschwinden gebracht werden. Der Mechanismus der Identifikation wird ersetzt durch das gierige Verschlingen. Der Alkohol wird zum gehassten Objekt, welches auf diesem Weg vernichtet wird. Ein geläufiger Alkoholikerwitz kann hierzu zitiert werden: "Ich hasse diesen Stoff (Alkohol). Ich nutze jede Gelegenheit, um ihn loszuwerden - indem ich ihn verschlinge."

Heroin

s. Opiate

Horror-Trip (bad trip, drogeninduzierte Psychose)

Nach Einnahme von Halluzinogenen bzw. Cannabiskonsum: Empfinden von meist starker Angst bis zur Panik, Erregtheit, Unruhe bis hin zu deliranten Symptomen. Wahrnehmung ist paranoid verändert, Folgen davon können Suizide und Suizidversuche sein.

Intoxikationspsychose

Psychotisches Krankheitsbild nach längerfristigem Missbrauch von zentralwirksamen Substanzen, insbesondere Tranquilizern, barbituratfreien und barbiturathaltigen Hypnotika, Analgetika und Stimulantien

akute Symptome: Bewusstseinstrübung, Desorientiertheit, Angstgefühl, Unruhe, Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit und Selbstkontrolle, Antriebsstörungen

chronische Symptome: Allmähliche Persönlichkeitsveränderung mit kognitiven Einbussen, Passivität, Müdigkeit, Gleichgültigkeit, affektive Verflachung

Joint

Zigarette aus Marihuana / Haschisch und Tabak (vgl. kiffen)

Meist wird ein Joint aus mehreren zusammengeklebten oder einem extragroßen Zigarettenpapier und einem zusammengerollten Kartonstück als Filter hergestellt.

Jugendschutzgesetz

regelt u.a. Verkauf und Konsum von sonst frei erhältlichen Suchtmitteln für Jugendliche bestimmten Alters.

Kaffee (Tee)

Sind Genussmittel, können aber auch missbraucht werden. Exzessiver Kaffee- und Teemissbrauch kann zu körperlichen Schädigungen führen, z.B. Schlaflosigkeit, allgemeine Nervosität, Herzschmerzen, unregelmäßiger Puls, verstärkte Herzinfarktanfälligkeit, Magenbeschwerden.

Khat

Rauschmittel; Khatblätter enthalten Alkaloide mit amphetaminähnlicher Wirkung, im Nahen Osten und in Ostafrika stark verbreitet, sozial integriert.

Konsumformen: Kauen der Blätter, Khattee

kiffen

kiffen: Cannabisrauchen (Joints rauchen)

Kleptomanie (Stehlsucht)

Triebhaft anmutendes, von den Betroffenen oft als zwanghaft geschildertes fortlaufendes Stehlen, meist von Gegenständen ohne größeren Wert oder solchen, die für den Betreffenden überhaupt nicht brauchbar sind.

Kokain

Wirkung:

Gesteigerte physische und psychische Antriebslage und Euphorie. Rauschstadium mit meist ängstlicher Stimmung und Wahrnehmungsstörungen bis zu Halluzinationen (s. auch Stimulantien!), Schlafunterdrückung

Anwendung:

Schnupfen, Spritzen, Schlucken, Rauchen (vgl. Crack)

Medizinische Bedeutung:

Lokale Schleimhautanästhesie

Missbrauchsmuster:

Zur Kreativitäts- und Leistungssteigerung in kleinen Mengen, zur Rauscherzeugung in größeren Mengen, fortgesetzt allein, Gelegenheitskonsum in kleinen Mengen als Gesellschaftsdroge

Abhängigkeit:

Seelische

Akute Krankheitsbilder:

Delirien, Dämmerzustände, wahnhafte Psychosen

Langzeitfolgen:

Auszehrung, chronische Schleimhautgeschwüre, Schlaflosigkeit, monatelange depressive oder wahnhafte Psychosen

Komorbidität

Vorhandensein von zwei oder mehreren psychischen Störungen, die zueinander in keiner unmittelbaren Beziehung stehen. Beispiel: Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung bei einem/r Alkoholiker/in.

Krisenintervention

Krisenintervention ist eine psychosoziale Form der Behandlung und Betreuung von Personen, die im Zusammenhang mit schwierigen Lebensumständen professioneller Hilfe (von Sozialpädagogen, Psychologen, Psychotherapeuten) bedürfen. Cullberg unterscheidet traumatische Krisen (Tod einer nahestehenden Person, plötzliche Invalidität, Kündigung) von Lebensveränderungskrisen (Verlassen des Elternhauses, Umzug, Geburt).

 

Legalisierung

Die Forderung nach Legalisierung des Umgangs mit illegalen Drogen wird immer wieder von verschiedenen Interessensgruppen gestellt.

Argumente für die Drogenlegalisierung:

- Austrocknen der Drogenmafia

- Unmöglichkeit der Schwarzgeldbeschaffung

- Kontrollierte Herstellung von sauberen, wohldosierten "medikamentösen"

Suchtmitteln durch die Pharmaindustrie

- Hohe Gewinne für staatliche Monopole

- Trennung der Märkte von "weichen" und "harten" Drogen

- weniger Diskriminierung "Kriminalisierung" von Kranken

- Wegfall des Beschaffungsdruckes und des "Zwangs zur Illegalität"

- Bessere HIV-, Hepatitis-Prophylaxe durch "Kultivierung" des Drogenkonsums

- Unproblematische Kontakte zu Beratungs-, Therapie- und

Rehabilitationseinrichtungen

- Umleitung der Prohibitions-Ressourcen in Prävention, Therapie und

Rehabilitation

- Gleichbehandlung aller berauschenden Substanzen

- Recht auf Rausch

Argumente gegen die Drogenlegalisierung:

- Vermehrte Verfügbarkeit steigert die Nachfrage

- Unvermeidliche Werbung senkt die Konsum-Hemmschwelle

- Erzeugung und Vertrieb durch die hochpotente Pharmaindustrie

- Schaffung neuer illegaler Märkte durch Produktion stets neuer Suchtmittel

durch die bisherigen Drogenproduzenten

- "Opium für das Volk" trifft besonders Risiko- und gesellschaftliche

Problemgruppen

- Versagen des generellen Legalisierungsmodells bei Alkohol, Nikotin und

Koffein

- Versagen des medizinischen Modells bei psychotropen Medikamenten

- Aufbau dichter Kontrollsysteme im Straßenverkehr, Arbeits- und Berufswelt

erforderlich.

Leidensdruck

Der Leidensdruck spielt bei Suchtpatienten eine entscheidende Rolle dafür, ob sich jemand entschließt sich in Form einer Therapie mit seiner Krankheit auseinander zu setzen. Er bezeichnet das Ausmaß an dem eine Person in ihrem gesamten (psychischen, physischen, sozialen) Erleben von einer Erkrankung eingeschränkt ist. Oft muss der Leidensdruck unglaublich groß sein (bereits bestehende somatische Erkrankungen, Verlust von Arbeitsplatz, Beziehungsprobleme, etc.), bis sich die Betroffenen an professionelle Helfer wenden.

Magische Pilze (magic mushrooms)

Ähnliche Wirkung wie LSD, können zu Halluzinationen führen, werden frisch oder getrocknet gegessen. Sie sind auch in Österreich heimisch. Gefahr durch Verwechslung mit Giftpilzen

Medikamente

Arznei- oder Heilmittel, synthetische oder natürliche Stoffe, mit denen man die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktion des menschlichen Körpers bzw. seelische Zustände beeinflussen kann (siehe auch Psychopharmaka).

Medikamentenabhängigkeit

Die Medikamentenabhängigkeit ist eine Form der Abhängigkeit, bei der chemische Präparate (Kopfschmerzmittel, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Abführmittel, Aufputschmittel), die sonst für Heilzwecke verwendet werden, eingenommen werden. Problematisch ist die Art und Weise wie die Betroffenen oft über viele Jahre zu hohen Dosen ihres Medikaments kommen: über den Hausarzt. Der Einstieg erfolgt nicht über den Genuss, wie z. B. häufig bei Alkohol, sondern wegen der Wirkung, da zu Beginn meist ein "Problem" steht. M. ist bei Frauen deutlich häufiger verbreitet als bei Männern. Neueren Studien zufolge konsumieren 6 % der Frauen in Deutschland regelmäßig Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Jedem/r Medikamentenabhängigen wird von therapeutischer Seite aus dringend geraten, in Zukunft auch auf Alkohol zu verzichten, um eine Symptomverschiebung zu vermeiden. (vgl. Benzodiazepine)

Methadon (L-Polamidon)

Rein synthetisches Arzneimittel, wird als Ersatzstoff für Heroin verwendet, macht allerdings selbst wieder sehr stark körperlich und seelisch abhängig

Wirkung: ähnlich wie bei Opiatkonsum, bei oraler Einnahme weniger intensiv (kein Flash), Wirkungsdauer beträgt ca. 24 Stunden

psychische Folgen: verminderter Leistungsantrieb, Dämpfung der Lebenslust

körperliche Folgen: Schlafstörungen, Dämpfung der Sinneswahrnehmung, Magen- und Darmstörungen, Potenzstörungen, Gewichtszunahme

Missbrauch

Die WHO definiert Missbrauch als eine einmalige, mehrmalige oder ständige Verwendung jeder Art von Drogen/Suchtmitteln ohne medizinische Indikation oder in übermäßiger Dosierung. Dies schließt ein, dass auch bei schwerem Missbrauch (z.B. Vollrausch) keine Abhängigkeit vorliegen muss und nicht jeder Missbrauch auf Abhängigkeit zurückzuführen ist.

Kriterien:

- Konsum zu unpassenden Gelegenheiten

- Konsum ist auf ganz bestimmte Wirkung gerichtet, wegen der die Substanz

üblicherweise nicht konsumiert wird.

- Konsum führt zu deutlichen körperlichen und/oder seelischen

Veränderungen

- Missbrauch kann situativ bedingt sein (z.B. Alkoholkonsum vor einer

Autofahrt), kann vorüber gehend (Rauschzustand) oder dauerhaft (ständiges

übermäßiges Trinken) sein.

Mohn

Opium ist der eingetrocknete, durch Anritzen der Kapsel gewonnene milchige Saft aus der unreifen Mohnkapsel (Schlafmohn).

Nachbetreuung

Die Nachbetreuung ist ein zentraler Bereich der Therapie von Suchterkrankungen. Sie erfolgt unmittelbar im Anschluss an die stationäre Entwöhnung als Einzel- oder Gruppentherapie oder fallweise auch in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Die Dauer erstreckt sich über mindestens 6 Monate. Bei Betroffenen von Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit werden 1 - 2 Jahre an Nachbetreuung in professionell geleiteten Gruppen empfohlen. In dieser Zeit werden eventuelle Rückfälle aufgearbeitet oder gänzlich vermieden.

Nikotin/Tabak

Wirkung:

je nach Stimmungslage leicht stimulierend oder beruhigend

körperliche Folgen:

Verengung (akut) und Schädigung (langfristig) der Blutgefäße, führt zu erhöhtem Blutdruck und damit zur Steigerung der Herzfrequenz und des Sauerstoffbedarfs. Folgen davon sind das sogenannte Raucherbein und Herzinfarkt. Die Rauchpartikel ("Teer") greifen die Atemwege an (Raucherhusten) und sind krebserregend (Lungen, Kehlkopf- und Zungenkrebs). Erzeugt starke Abhängigkeit

Opiate / Heroin / Morphium

Stoffe und Mittel:

Opium, Morphium, Heroin, Cliradon, Dolantin, L-Polamidon

Wirkung:

Beruhigung, Angstauslösung, Euphorie, Schmerzstillung, Betäubung

Anwendung:

Rauchen (Opium), Schlucken, Spritzen

Medizinische Bedeutung:

Bei Tumorschmerzen, Operationsschmerzen

Missbrauchsmuster:

Gelegenheitskonsum zur Rauscherzeugung in steigender Dosierung. Dauerkonsum in regelmäßigen Abständen zur Vermeidung des Entzugssyndroms.

Abhängigkeit:

Körperliche und seelische

Akute Krankheitsbilder:

Entzugssyndrom

Bei Überdosis Bewusstseinstrübung, Atemlähmung mit Todesfolge

Langzeitfolgen:

Begleiterkrankungen (Hepatitis C, AIDS, Spritzenabszesse), körperlicher Verfall, Verwahrlosung, Kriminalisierung

Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsstörungen sind tief im Wesen einer Person verwurzelte Verhaltensmuster, für die folgende Gemeinsamkeiten charakteristisch sind: die Unfähigkeit sich in Stresssituationen zurechtzufinden, die Unfähigkeit befriedigende Beziehungen aufzunehmen, das Unvermögen, sich so zu sehen, wie man von anderen wahrgenommen wird und eine Tendenz zu Nähe-Distanz-Konflikten. Auf Grund dieser Charakteristika kommt es in Psychotherapien häufig zu Konflikten und Therapieabbrüchen. Die Persönlichkeitsstörungen können in drei Gruppen eingeteilt werden: einer schizophrenen, einer psychopathischen und einer neurotischen.

Persönlichkeitstest

Persönlichkeitstests sind Testverfahren, welche unter Verwendung unterschiedlichster Persönlichkeitstheorien, empirisch abgrenzbare Dimensionen quantitativ und/oder qualitativ erfassen. Solche Dimensionen können sein: Extraversion, Neurotizismus, Emotionale Stabilität, Aggressivität, Dominanzstreben, Ichstärke etc.

Polytoxikomanie

Gleichzeitiger Missbrauch oder Abhängigkeit von mehreren verschiedenen Substanzen.

Prävention - Suchtprävention

Primäre Suchtprävention bedeutet eine frühzeitige, langfristige und kontinuierliche Vorbeugung von Suchtentwicklungen. Konzepte der Primärprävention beziehen sich nicht nur auf Drogen im engeren Sinne, sondern zielen auf eine Veränderung von allen ausweichenden Verhaltensweisen, die mangelnde Lebensqualität ersetzen sollen. Primärprävention setzt sich weiters zum Ziel, suchtfördernde Strukturen in der Umwelt und bei bestimmten Zielgruppen aufzudecken und zu verändern, so dass Menschen ihren Alltag ohne Missbrauch von Suchtmitteln oder ausweichenden Verhaltensweisen sinnvoll erleben können.

Sekundäre Suchtprävention

richtet ihre Aufmerksamkeit auf gefährdete Risikopersonen und

Tertiäre Suchtprävention

setzt dort an, wo Abhängigkeit bereits manifest geworden ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer Reduzierung der Rückfallquote nach abgeschlossener Therapie durch Hilfsangebot bei der Wiedereingliederung in das soziale Leben.

Primärprävention

Primärprävention ist darum bemüht, Probleme oder psychische Störungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Sie richtet sich demnach an Menschen, die noch nicht krank sind, um deren psychische Gesundheit und persönliche Entwicklung zu fördern und zu verbessern.

Promille

Sie geben an, wie hoch der Anteil des Alkohols im Blut ist. Dieser Blutalkoholgehalt ist in erster Linie von der getrunkenen Menge reinen Alkohols abhängig, aber auch von Gewicht und Geschlecht des Konsumenten. Jede Stunde verringert sich der Promillewert um ca. 0,1 Promille. Bei 0,6 Promille ist das Risiko, einen Unfall zu verursachen, zweimal höher als im nüchternen Zustand, bei 0,8 Promille sechsmal so hoch.

Bei einer Blutalkoholkonzentration von 3 Promillen sind bereits deutliche toxische Auswirkungen gegeben, ab 3,5 - 4 Promillen besteht das Risiko eines Alkoholkomas und des Todes an Atem- und Herzinsuffizienz.

Protektive Faktoren

sind gesundheitsbegünstigende Faktoren, die mithelfen, dass Suchtverhalten erst gar nicht entstehen kann . Bestimmte Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen müssen unterstützt werden:

Sinnerfüllung:

Aktivitäten anregen, die sinngebend sind, wie z.B. Bestätigungen im musischen und sozialen Bereich, beim Naturschutz und im Sport

Eigenverantwortung:

Kinder und Jugendliche darin unterstützen, dass sie lernen, eigenverantwortlich zu entscheiden und zu handeln.

Eigenaktivität:

Förderung von Handlungskompetenz, d.h. Überbrückung des Zwiespalts zwischen Wollen und vermeintlichem Nicht-Können.

Selbstachtung:

Die Erfahrung, von anderen Menschen geachtet und in ihren Gefühlen und Bedürfnissen ernst genommen zu werden. Ist entscheidend dafür, dass Kinder und Jugendliche lernen, sich selbst zu akzeptieren.

Erlebnisfähigkeit:

Kindern helfen zu erkennen, welche eigenen Wünsche und Bedürfnisse sie haben und wie sie damit umgehen können.

Konfliktfähigkeit:

Lernen, dass und wie sich Konflikte lösen lassen. Lernen "nein" zu sagen, auch gegen Gruppendruck.

Selbsteinschätzung:

Kindern und Jugendlichen geschützte Freiräume und Spielräume eröffnen, in denen sie ihre Kräfte und Fähigkeiten ausprobieren und erweitern können. Dadurch lernen sie, sich richtig einzuschätzen.

Frustrationstoleranz:

Erfahrungen ermöglichen, die zeigen, dass der Weg zu Zielen oftmals langwierig und schwierig ist, dass es aber trotzdem wichtig ist, diese Ziele weiter zu verfolgen.

Protektive Faktoren - Genesung

Ist ein Individuum erkrankt, so versuchen professionelle Helfer (z. B. von psychosozialen Diensten, aber auch der Arzt, Psychologe, Psychotherapeut,..) herauszufinden, welche Elemente im näheren Umfeld des/r Erkrankten außerordentlich oder zumindest einigermaßen "gesund" oder "förderlich" ausgeprägt sind. Ein Teil der umfassenden Therapie ist dann die gezielte Stützung und Ausweitung dieser Elemente. Solche können sein: besondere Talente des/r Erkrankten, kompetente Personen im näheren Umfeld des/r Erkrankten, günstige Wohnverhältnisse, gute materielle Absicherung, etc.

psychoaktiv

Bewusstsein und Stimmung des Menschen beeinflussend.

Psychodrama

Psychotherapeutisches Verfahren, welches auf Jacov L. Moreno zurückgeht. Das Grundkonzept des Psychodrama ist, dass das menschliche Handeln an Rollen gebunden ist. Im Zusammenspiel dieser verschiedenen Rollen entwickelt sich das Selbst. Die Störungen werden dann in der Gruppe szenisch dargestellt. Dabei erhält der Protagonist, also derjenige, dessen Konflikt momentan im Mittelpunkt steht, die Möglichkeit, seine Wirkung auf andere zu erfahren und von diesen zu Handlungsalternativen inspiriert zu werden. Durch die szenischen Aufstellungen und Rollenspiele werden dem Protagonisten oft spontan Zusammenhänge klar, die dann zu einer Verbesserung seiner Situation führen. (vgl. dazu allgemeiner Psychotherapie)

Psychologische Tests

Als Psychologische Tests können alle nach den Kriterien der psychologischen Wissenschaft konstruierten Testverfahren bezeichnet werden. Unterteilt werden sie gewöhnlich in Leistungstest (Aufmerksamkeit, Intelligenz), Eignungstest (z. B. für verschiedene Berufe), Persönlichkeitstests und Selbsteinschätzungsbögen. Psychologische Tests müssen den Gütekriterien Objektivität (Verschiedene Testanwender müssen zum selben Ergebnis kommen.), Validität (Der Test muss das messen, was er zu messen vorgibt.) und Reliabilität (Der Test muss das angegebene Kriterium genau messen.) entsprechen. Psychologische Tests sollten weiters ("Nebengütekriterien") ökonomisch, normiert, vergleichbar und nützlich sein.

Psychopharmaka

Psychopharmaka sind Medikamente, die eine überwiegend psychische Wirkung haben und das Denkvermögen, die Stimmung, die Wahrnehmungsfunktion, den Antrieb und die Wachheit beeinflussen, sind also auf die Psyche wirkende Arzneimittel.

Dazu gehören:

- Antidepressiva, die v.a. bei depressiven Erkrankungen eingesetzt werden,

- Neuroleptika, die v.a. zur Behandlung von Psychosen verwendet werden.

- Beruhigungs- und Schlafmittel (Stimulantien)

- Appetitzügler, die unangenehme Hungergefühle unterdrücken.

- Analgetika, schmerzstillende Mittel

Psychose

Seelische Störung, Geistes- oder Nervenkrankheit mit charakteristischen Störungen des Denkens, des Affekts, der Wahrnehmung und des Verhaltens

Psychosomatik

Wissenschaftliche Disziplin, welche sich im Grenzgebiet zwischen Psychologie/Psychotherapie/Soziologie/Systemtheorie/Medizin befindet und die psychosozialen Hintergründe von somatischen Krankheiten (z. B. Asthma bronchiale, Magengeschwür, chronischer Durchfall, Bluthochdruck, Gastritis, Kopfschmerzen, etc.) erforscht.

Psychotherapie

Psychotherapie ist eine systematische Form der Behandlung von psychischen und/oder somatischen Erkrankungen. Psychotherapeut darf sich in Österreich nur derjenige/diejenige nennen, der/die eine abgeschlossene Ausbildung in einer der in Österreich anerkannten therapeutischen Schulen aufzuweisen hat. Diese Ausbildung dauert mehrere Jahre und besteht aus zwei Teilen. Beim ersten Teil (Propädeutikum) werden allgemeine Grundlagen vermittelt, während beim zweiten Teil (Fachspezifikum) die theoretischen und praktischen (Lehranalyse) Grundlagen der jeweiligen therapeutischen Schule im Vordergrund stehen. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist mittlerweile in mehreren wissenschaftlichen Evaluationsstudien nachgewiesen, weshalb auch die Krankenkassen - bei entsprechender Indikation - die Kosten (oder zumindest einen Teil davon) übernehmen. Psychotherapeutische Behandlungen dauern - je nach Art und Intensität der Störung - in der Regel zwischen 15 und 30 Stunden (Kurztherapie) bis zu 50 und mehreren Hundert Stunden (Mittel- und Langzeittherapie). Je länger eine Störung schon besteht und je umfassender diese in die Gesamtpersönlichkeit integriert ist, desto aufwendiger und daher zeitintensiver wird die Therapie sein. In Österreich sind folgende 16 psychotherapeutischen Verfahren anerkannt:

Autogenes Training (AT)

Dynamische Gruppenpsychotherapie (DG)

Existenzanalyse und Logotherapie (EL)

Gestalttheoretische Psychotherapie (GTP)

Integrative Gestalttherapie (IG)

Gruppenpsychoanalyse (GP)

Hypnose (HY)

Individualpsychologie (IP)

Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)

Klientenzentrierte Psychotherapie (KP)

Personenzentrierte Psychotherapie (PP)

Psychoanalyse (PA)

Psychodrama (PD)

Systemische Familientherapie (SF)

Transaktionsanalytische Psychotherapie (TA)

Verhaltenstherapie (VT).

Pyromanie

Zwanghaftes Brandstiften, wobei das Feuerlegen mit Lustgefühl verbunden ist.

Rausch

Vorüber gehender psychischer Zustand, der durch die Einnahme von Rauschmitteln, aber auch durch rhythmische Musik, Tanz, Fasten, Selbstisolierung, Atemübungen erzielt werden kann. Manifestiert sich in einer Vielzahl von Verhaltensmerkmalen und Symptomen, die sich von Heiterkeit und Verlust persönlicher und sozialer Verantwortlichkeit bis Depression, Stupor oder Koma erstrecken. Zustände des Rausches, die Sehnsucht nach anderen, neuen Erfahrungen, Grenzerfahrungen, nach Überwindung von verinnerlichter moralischer Kontrolle haben Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturen fasziniert. Die Verwendung von Drogen zur Ablösung von der Realität hat in jeder Kultur ihre eigene, sehr unterschiedliche Geschichte.

Rauschmittel

Rauschmittel (Drogen) sind Substanzen, die einen Zustand des Wohlbefindens oder der Ekstase hervorrufen können. Ihre spezifischen Eigenschaften erstrecken sich von rein beruhigender oder betäubender Wirkung bis zur nachhaltigen Stimulation bestimmter Hirnzellen bzw. -funktionen.

Reinsubstanz

Unter Reinsubstanz versteht man die in einem suchtmittelhaltigen Produkt (Marihuana, Cannabisöl, Heroinmischung, ...) enthaltene psychotrop wirksame Substanz. Bei Cannabis ist dies beispielsweise THC (Tetrahydrocannabinol), welches in unterschiedlicher Anreicherung (3%ig, 5%ig, 10%ig, ...) in den einzelnen Cannabisprodukten enthalten sein kann. Die Reinsubstanz kann nur über eine chemische Untersuchung bestimmt werden und muss nicht mit der Menge (Gewicht) des Suchtmittels korrelieren.

Risikofaktoren

Unter Risikofaktoren versteht man Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens z. B. einer psychischen Störung, Erkrankung erhöhen. Informationen über Risikofaktoren werden mittels Analysen der Gemein

Schlaf- und Beruhigungsmittel / Barbiturate

Stoffe und Mittel:

a) Tranquilizer: Valium u.a.

b) Methaqualone: Mandrax u.a.

c) Barbiturate

Wirkung:

Allgemeine Dämpfung, Angst- und Spannungslösung, einschläfernde Wirkung, Unterdrückung von Krampfanfällen

Anwendung:

ad a) Schlucken in kleinen Dosen zur Beruhigung

ad b) Schlucken in mittleren Dosen zur Erzielung eines wohligen Befindens

ad c) Schlucken und Spritzen in großen Dosen, um abzuschalten und zu schlafen

Medizinische Bedeutung:

Als Schlafmittel, Beruhigungsmittel, bei Epilepsie, zur Narkose, zur Schmerzbekämpfung

Missbrauchsmuster:

a) Gelegentlicher Konsum zur Selbstbehandlung bei Missbrauch von Stimulantien und anderen Drogen

b) Dauerkonsum zur Vermeidung des Entzugssyndroms

c) Als Ersatz für Opiate

Abhängigkeit:

a) Seelische

b) Seelische

c) Körperliche und seelische

Akute Krankheitsbilder:

a) und b) Koordinationsstörungen, Bewusstseinstrübung, Atemlähmung mit Todesfolge

c) Entzugssyndrom

Gefahren:

Vor allem im Straßenverkehr (insbesondere in Verbindung mit Alkohol) steigt die Unfallgefahr beträchtlich. Häufig passieren Unfälle auch aus Unwissenheit über die starke Wirkung von Alkohol mit bestimmten Schlafmitteln.

Langzeitfolgen:

Abstumpfung, Verwahrlosung, psychische Vergröberung, körperlicher Verfall

Schmerzmittel / Analgetika

Stoffe und Mittel:

a) leichte: z.B. Spalt-Tabletten, Thomapyrin, u.a.

b) mittlere: z.B. Gelonida, Optalidon u.a.

c) starke: z.B. Valoron-N, Fortal u.a.

Wirkung:

ad a) Schmerzstillung, Anregung, leichte Euphorisierung

ad b) Schmerzlinderung, Anregung, leichte Euphorisierung

ad c) Schmerzstillung, Erzeugung eines angenehmen Körpergefühls

Anwendung:

a) Schlucken in kleinen Dosen zur Schmerzstillung

b) siehe a)

c) Schlucken und Spritzen in großen Dosen, um abzuschalten und zur Rauscherzeugung

Medizinische Bedeutung:

a) Bei Schmerzzuständen aller Art

b) Bei Schmerzzuständen aller Art

c) Bei schwersten Schmerzen

Missbrauchsmuster:

a) Gelegentlicher Konsum zur Rauscherzeugung

b) Gelegentlicher Konsum zur Rauscherzeugung

c) Als Ersatz für Opiate Dauerkonsum zur Vermeidung des Entzugssyndroms

Abhängigkeit:

a) Seelische

b) Seelische

c) Körperliche und seelische

Akute Krankheitsbilder:

a) Koordinationsstörungen, Bewusstseinstrübung

b) Koordinationsstörungen, Bewusstseinstrübung

c) Entzugssyndrome

Gefahren:

Vor allem im Straßenverkehr (insbesondere in Verbindung mit Alkohol) steigt die Unfallgefahr beträchtlich. Häufig passieren Unfälle auch aus Unwissenheit über die starke Wirkung von Alkohol mit bestimmten Schmerzmitteln.

Langzeitfolgen:

Nieren- und Leberschäden, u.U. psychische Abstumpfung, Verwahrlosung

Schnüffelstoffe

Stoffe und Mittel:

Organische Lösungsmittel in Klebstoffen, Reinigungsmitteln, Sprays

Wirkung:

Rausch mit gehobener Stimmung, Sinnestäuschung, Bewusstseinstrübung

Anwendung:

Einatmen aus Tüchern oder Plastiktüten

Medizinische Bedeutung:

Keine

Missbrauchsmuster:

Zur Rauscherzeugung einzeln und in Gruppen. Meist bei jungen, mittellosen Konsumenten

Abhängigkeit:

Seelische

Akute Krankheitsbilder:

Verworrenheit, Halluzination; bei Überdosierung Bewusstlosigkeit, Atemlähmung mit Todesfolge

Langzeitfolgen:

Erhöhte Reizbarkeit, Verwahrlosung, Blutveränderung durch Knochenmarkschäden; Organschäden

Sekundärprävention

Sekundärprävention versucht, die Entwicklung schwerer Störungen und Probleme zu verhindern, wenn es bereits zum Auftreten von Symptomen gekommen ist. Dies passiert z. B. mittels Bereitstellen von Informationen, wie sich Betroffene oder deren Angehörige in Krankheits- oder Krisensituationen verhalten sollen bzw. an wen sie sich wenden können. Zur Sekundärprävention zählt z. B. das Erarbeiten von Alternativen zum Gefährdungsverhalten. Sie berührt vielfach den Bereich von Beratungstätigkeit.

Selbstreflexion

Mit Selbstreflexion ist gemeint, dass die je eigenen Gefühle, Ansichten, Motivationen, Wahrnehmungen etc. Gegenstand einer Analyse werden. Zu systematischen und kontrollierten selbstreflexiven Prozessen kommt es in psychotherapeutischen Interaktionen, aber auch bei gruppendynamischen Übungen und Selbsterfahrungsseminaren.

Im weiteren Sinne kann jedes Nachdenken über die je eigene Position in der Welt als selbstreflexiv bezeichnet werden.

Shit

Shit: allgemein für Haschischprodukte

Soziotherapie

Wenn von Soziotherapie gesprochen wird handelt es sich um kein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren. S. betreiben vor allem SozialarbeiterInnen, die ihren KlientInnen bei Problemen mit der Arbeitsuche, der Wohnungssuche, rechtlichen Fragen etc. unterstützend, strukturierend und informierend zur Seite stehen, dies auch in Zusammenarbeit mit anderen psychosozialen Berufsgruppen.

Speedball

Kombination von Opiaten und Kokain

Stimulantien

Stoffe und Mittel:

a) Pervitin, Ritalin, Benzedrin, u.a.

b) AN 1, Rosimon-Neu, Captagon, Regenon, u. a.

c) Percoffedrinol, Mirapront-N u.a.

Wirkung:

Schwache Dosis: Steigerung von Stimmung und Antrieb, Gedankengang beschleunigt

Mittlere Dosis: erhöhtes Kraft und Leistungsgefühl. Kontaktsuche, Rededrang, eingeschränkte Kritik- und Konzentrationsfähigkeit

Starke Dosis: Euphorie, Affektsteigerung, Ekstase, planlose Aktivität, Misstrauensreaktionen

Sehr starke Dosis: Psychose, Orientierungsverlust, Sinnestäuschungen

Anwendung:

Schlucken in kleinen Dosen über den Tag verteilt oder Schlucken in großen Dosen auf einmal oder Spritzen aufgelöster Tabletten in die Blutbahn

Medizinische Bedeutung:

Bei Narkolepsie Verordnung zur Anregung und Appetitzügelung umstritten

Missbrauchsmuster:

Zur Leistungssteigerung Einzelkonsum in kleinen Mengen, zur Rauscherzeugung oft Gemeinschaftskonsum; Mitunter Dauerkonsum bis zum Zusammenbruch "speed run". Erfordert Mitbenutzung dämpfender Mittel

Abhängigkeit:

Seelische

Akute Krankheitsbilder:

Psychosen, angsterhöhte Wahnbildungen, Blutdruckkrisen, Depressionen

Langzeitfolgen:

Monatelange Depressionen und Misstrauensreaktionen, Dauerschäden bei Organblutungen, körperlicher Verfall

Sucht

Das Wort "Sucht" hat in der deutschen Sprache eine lange Tradition. Es existierte als Begriff bereits lange, bevor es das Wort "Krankheit" oder "krank" gab. Damals wurden mit "Sucht" sämtliche Krankheiten bezeichnet; so kennen wir heute noch Gelbsucht, Fallsucht etc. Seitdem sich aber der Begriff "Krankheit" durchgesetzt hat, werden mit "Sucht" mehr und mehr spezielle krankhafte Erscheinungen bezeichnet, denen allen etwas gemeinsam ist: Sie sind mit zwanghaften Verhaltensweisen verbunden. (Rolf Harten, Suchtvorbeugung, 1994). Sucht ist ein wissenschaftlich unscharfer Begriff. Er wurde 1964 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugunsten des Begriffs "Abhängigkeit" aufgegeben.. Heute versteht man darunter eine krankhafte, zwanghafte Abhängigkeit von Stoffen und/oder Verhaltensweisen, das Verlangen nach einer ständigen erneuten Einnahme dieses Stoffes bzw. Ausübung des jeweiligen Verhaltens, um ein bestimmtes Lustgefühl zu erreichen oder Unlustgefühle zu vermeiden. Bei Fehlen des Suchtmittels/der Verhaltensweise kommt es zu Entzugserscheinungen. Dieser Zustand tritt nach einer längeren Phase der Gewöhnung ein, wenn regelmäßiger oder dauernder Konsum bzw. Ausübung des Verhaltens zu einer physischen und/oder psychischen Abhängigkeit geführt hat.

Die Entstehung von Sucht wird häufig im sogenannten Suchtdreieck (vgl. W. Gross, 1995) veranschaulicht: Mensch (genetische Faktoren, körperliche Konstitution, psychische und persönliche Entwicklung etc.) - Suchtmittel/süchtiges Verhalten (Wirkung, Risiko, Griffnähe, Angebot etc.) - Gesellschaft/Umwelt (Akzeptanz der Suchtmittel, Angebotsdruck, Werbung, strukturelle Bedingungen in der Gesellschaft: z. B. soziale Schichtung, Arbeitslosigkeit, ökonomische Situation).(vgl. dazu auch Ursachen von süchtigem Verhalten)

Suchtpotential

Suchtpotential beschreibt den Grad der potentiellen psychischen und physischen Abhängigkeit, den ein Suchtmittel verursacht. Das stärkste Suchtpotential haben Tabak und die Drogen vom Morphintyp, hier entwickelt sich Abhängigkeit schon nach wenigen Dosen.

Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung)

Die Selbsttötungsgefährdung Abhängiger ist erheblich höher als die der Durchschnittsbevölkerung. Anlass ist meist die der/dem Süchtigen hoffnungslos erscheinende Lebenssituation und die Neigung Süchtiger zu Depressionen, die zugleich Ursache als auch Folge der Abhängigkeit sein können, auch kann die Hemmschwelle gegenüber einem Versuch der Selbsttötung durch das Rauschmittel herabgesetzt sein. Das Rauschmittel kann zugleich Tötungsmittel sein, wenn in letzter Steigerung die absolute Betäubung gesucht wird ("goldener Schuss"). Suizidäußerungen sind in jedem Fall ernst zu nehmen.

Symptom

Krankheitszeichen, für eine bestimmte Krankheit charakteristische, zu einem bestimmten Krankheitsbild gehörende krankhafte Veränderung

Syndrom

Gruppe von gleichzeitig zusammen auftretenden Krankheitszeichen. (s. Symptom)

Tertiärprävention

Tertiärpräventive Maßnahmen sollen helfen, die Schwere und den Beeinträchtigungsgrad einer bestimmten Störung zu reduzieren bzw. die Störung zu behandeln und Rückfällen vorzubeugen.

Therapie

für Suchtkranke existiert in vielfältigen, oft recht unterschiedlichen Formen. Unter Therapie wird der Aufenthalt in einer therapeutischen Gemeinschaft, einer Fachklinik, aber auch eine ambulante Psychotherapie oder die Teilnahme an einem qualifizierten ambulanten Programm verstanden.

Suchttherapie setzt sich zum Ziel, den Lebensrhythmus eines Abhängigen von Grund auf zu verändern, Lernschritte zu ermöglichen, ein Leben ohne Drogen meistern zu können. Im Vordergrund der Drogentherapie stehen nicht unbedingt psychotherapeutische Verfahrensweisen, sondern eher die Erprobung des Zusammenlebens in Gruppen, das Erlernen von Konfliktlösungen ohne ständige Kontrolle des Fachpersonals, sowie eine frühzeitige Vorbereitung auf einen Beruf nach Abschluss der Therapie. Im Durchschnitt dauert der Aufenthalt in einer therapeutischen Gemeinschaft 18 Monate. Vielerorts haben sich auch Selbsthilfeeinrichtungen entwickelt, deren Arbeitsschwerpunkt vor allem in der Nachsorge liegt. Neuere therapeutische Konzepte, die nicht verhaltenstherapeutisch orientiert sind, legen großen Wert auf Eigenständig-Selbständigkeit, auf das Entwickeln von konstruktiveren Lösungsmöglichkeiten und nicht auf das Überstülpen von vorgefertigten Lösungen.

Toleranz

verminderte Wirkung der Droge bei wiederholter Einnahme. Der Körper gewöhnt sich gewissermaßen an die Substanz, diese wird in den Stoffwechsel des Organismus eingebaut. Bei weiterer Einnahme gleicher Mengen bleibt die angestrebte psychische Wirkung aus. Dies führt dazu, dass die Dosis erhöht werden muss, um die ursprüngliche Wirkung zu erreichen. Die Dosissteigerung erhöht die Gefahr der physischen Abhängigkeit.

Toleranzentwicklung

Anstieg der Empfindlichkeitsschwelle gegenüber Drogen (= für die gleiche Wirkung wird eine immer höhere Dosis benötigt)

Trinkertypen

Diejenige Typologie, die am weitesten verbreitet ist, stammt von Jellinek (1960). Aus der Analyse von 2000 Fragebögen an anonyme AlkoholikerInnen konnte er fünf Prägnanztypen feststellen.

Bei der/dem Alpha-TrinkerIn ist das Trinkverhalten vorwiegend psychologisch motiviert, d. h. sie/er trinkt besonders in Stress-, Konflikt- oder Problemsituationen. Mengenkontrollverluste gibt es bei ihr/ihm kaum. Im Vordergrund steht die psychische Abhängigkeit.

Die/Der Beta-TrinkerIn (auch Gelegenheitstrinker) trinkt vor allem bei gesellschaftlichen Anlässen, allerdings besteht bei ihr/ihm die Tendenz alltäglich solche Gelegenheiten vorzufinden.

Bei der/dem Gamma-TrinkerIn steht - wie auch bei der/dem Alpha-TrinkerIn - die psychische Abhängigkeit im Vordergrund. Allerdings treten bei ihr/ihm gehäuft Kontrollverluste auf. In diesen Phasen konsumieren die Betroffenen dann derart viel Alkohol, bis auf Grund vom Schweregrad der Berauschung keine weitere Alkoholzufuhr mehr möglich ist.

Die/Der Delta-TrinkerIn ist vorwiegend in Regionen anzutreffen, in denen aus sozioökonomischen Gründen (z. B. in Weinbauregionen) häufig Alkohol zur Verfügung steht. Starke Berauschungen und Kontrollverluste gehören nicht zum klassischen Bild dieses Typs.

Die/Der Epsilon-TrinkerIn ist durch Perioden extrem starken Trinkens, in denen oft tagelang durchgetrunken wird, und dazwischenliegenden längeren Phasen des Nichttrinkens gekennzeichnet.

Ursachen von süchtigem Verhalten

Sucht hat nie nur eine Ursache, sondern entsteht aus einem komplexen Ursachengefüge und in einem Prozess. Drei wesentliche Bereiche, die in vielfältigen Wechselbeziehungen miteinander stehen, sind für die Entstehung von Abhängigkeit bedeutend:

- Faktoren, die in der Persönlichkeit des einzelnen begründet liegen.

- Faktoren, die aus dem unmittelbaren Umfeld des Betreffenden (sozialer

Nahraum) und dem gesellschaftlichen Kontext, in dem er lebt, resultieren.

- Faktoren, die sich aus der spezifischen Wirkung der Droge ergeben.

User

User (engl.) = Drogenkonsument

Verdrängung

Die Verdrängung ist ein psychischer Vorgang, mit dem das Individuum versucht unangenehme oder peinliche Vorstellungen (Gedanken, Bilder, Erinnerungen) in das Unbewusste zurückzustoßen oder dort festzuhalten. Die Verdrängung geschieht, wenn das Individuum in Hinblick auf andere Forderungen die Gefahr ahnt, Unlust zu erfahren. Als Folge von Verdrängung kommt es zur Symptombildung (Phobien, Zwänge, psychosomatische Erkrankungen, Missbrauch von Drogen und süchtige Verhaltensweisen). Erfahrungen, die nicht mit dem eigenen Selbstbild übereinstimmen dürfen nicht bewusst werden, sondern werden eben verdrängt oder nur verzerrt wiedergegeben, da ansonsten Angst ausgelöst werden würde.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, welches ursprünglich auf den Erkenntnissen der experimentellen Psychologie (Lernpsychologie, Wahrnehmungspsychologie, Physiologische Psychologie etc.) aufbaute. Auf Grund der wissenschaftlichen Weiterentwicklung in der Psychologie, stellt sie heute keine klar umrissene Einzeltechnik (wie z. B. die Gesprächspsychotherapie oder Psychoanalyse) dar. Es ist ein Grundprinzip der Verhaltenstherapie., dass menschliches Verhalten erlernt und somit auch wieder verlernt werden kann. In der modernen Verhaltenstherapie werden auch Einstellungen und Werthaltungen mitberücksichtigt.

Im Selbstmanagementansatz von Kanfer, welcher eine der neuesten Weiterentwicklungen der Verhaltenstherapie darstellt, kommt der aktiven Beteiligung des/der Klienten/in ein zentrale Rolle zu. Hierbei kommt dem/der Therapeuten/in "nur" eine unterstützende Funktion zu. Es soll gemeinsam herausgearbeitet werden, in welchen Lebensbereichen des/der Klienten/in etwas geändert werden soll. Die Therapie ist nur ein zeitlich begrenzter Eingriff im Leben (Prinzip der minimalen Intervention).

Verleugnung

Gemäß der psychoanalytischen Theorie bedienen sich Individuen in Konflikten (z. B. Es-Über-Ich-Konflikt, Konflikt zwischen verschiedenen Ichstrebungen etc.) verschiedener Abwehrmechanismen. Die Verleugnung ist einer davon. Verleugnung bedeutet, dass objektive Sinneseindrücke aus der Umwelt als unwahr hingestellt werden, wenn sie traumatisierend wirken würden. Personen bedienen sich der Verleugnung vor allem, wenn Gefahr von "außen" droht.

Vulnerabilität

Unter Vulnerabilität versteht man eine Verletzbarkeit, im Sinne einer individuell unterschiedlichen Bereitschaft für das Auftreten psychischer Störungen.

Wohngemeinschaft (WG) (therapeutische)

Therapeutische Wohngemeinschaften sind eine wichtige Unterstützung für Personen mit psychischen Problemen, um wieder langsam an ein eigenständiges Leben herangeführt zu werden. Die Leitung solcher Einrichtungen obliegt meist Psychologen oder Sozialarbeitern, welche die Aufgabe haben, bei der Lösung WG-interner Aufgaben, Konflikte und Probleme beratend und strukturierend zu helfen.

Workoholism / Arbeitssucht

Anhaltend besessenes Arbeiten unter Ausblendung aller Dinge, die damit nicht in Zusammenhang stehen. Folge sind Vernachlässigung anderer Interessen, Kontaktstörungen, Isolation, familiäre Spannungen, fehlender Freizeitausgleich sowie körperliche Symptome. In unserer Gesellschaft wird arbeitssüchtiges Verhalten im Vergleich zu anderen Suchtformen eher honoriert.

Gefahren:

Herz- u. Kreislauferkrankungen, Magen- u. Darmgeschwüre, Stresssymptome

Häufig ist mit Workaholism der Missbrauch von Zigaretten, Kaffee, Alkohol oder Aufputschmitteln verbunden.

Zwanghaftigkeit

Unter Zwanghaftigkeit versteht man das Leiden an immer wiederkehrenden Handlungen (z. B. kontrollieren, ob eine Tür wirklich zugesperrt ist) oder Gedanken (Zählzwang, Grübeln, peinliche sexuelle Gedanken). Den Patienten ist die Sinnlosigkeit zwar bewusst, sie können den Zwang aber trotzdem nicht "abstellen". Wenn der/die Betroffene den Zwang als einschränkend und belastend erlebt, kann ihm/ihr in einer Psychotherapie, wo dann im Laufe des therapeutischen Prozesses der dahinter liegende Konflikt thematisiert wird, geholfen werden. Ergänzend dazu werden auch antidepressive Medikamente eingesetzt.

© Österreichische ARGE Suchtvorbeugung 2005 ff. || Powered by Website Baker