Beobachtungen - beim anderen

Sichere Anzeichen für Drogenkonsum, Drogenabhängigkeit und Suchtverhalten aufzuzählen, ist problematisch und bleibt lückenhaft.

Die Fixierung auf äußerliche Anzeichen verstellt oft die Sicht auf den Menschen als Ganzes. Vor allem bei Mädchen ist es sehr schwierig, Suchtgefährdung und Suchtverhalten frühzeitig zu erkennen und darauf entsprechend zu reagieren, da diese eher zu unauffälligen Suchtformen (z.B. Medikamentenmissbrauch, Essstörungen) neigen.

Wir möchten Sie dazu einladen, von einer ganzheitlichen Sicht des Menschen auszugehen, die körperliches, geistig-seelisches und soziales Befinden gleichermaßen berücksichtigt.

Signale sind mehrdeutig

Vielleicht sind Sie enttäuscht, an dieser Stelle keine Aufzählung von körperlichen Signalen bei Drogenkonsum, -abhängigkeit oder Suchtverhalten vorzufinden. Aber es ist unserer Erfahrung nach problematisch, eine Anleitung zu geben, die es erlaubt oder fördert, sich allein nach äußeren Signalen zu orientieren.

Körpersignale

... sind immer mehrdeutig: Beobachtungen dieser Art (spezifische Körperreaktionen, Körperpflege, Aussehen, Verhalten) gewinnen ihre Aussagekraft erst im Zusammenhang mit anderen Beobachtungen und mit Ihrem Wissen um die Person und deren Umfeld.

- gerötete Augen:
... können auf Cannabis-Konsum hinweisen, aber ebenso mit einer Erkältung zusammenhängen.

- unsichere Bewegungen:
... können die Folge von starken Kreislaufstörungen sein, können aber auch auf Medikamenten-, Alkohol- oder Drogenkonsum hinweisen.

- mangelnde Pflege der Kleidung:
... kann ein Indiz für Gleichgültigkeit und Verwahrlosung sein, kann aber ebenso die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe signalisieren.

Geistig-seelisches Befinden

Unkonzentriertheit:
Der/die Jugendliche
... ist häufig geistig abwesend – auch bei Dingen, die ihm/ihr ursprünglich Freude bereitet haben.

Motivation:
Der/die Jugendliche
... hat wenig Interesse.
... zeigt kaum Einsatz.
... kommt oft verspätet zur Schule.
... fehlt häufig.
... kann sich für nichts begeistern.

Sinnfrage:
Der/die Jugendliche
... hat zu nichts Lust und findet alles öde und leer.
... sieht alles nur negativ und sieht keinen Sinn, sich für etwas zu engagieren.

Grenzen:
Der/die Jugendliche
... hat Mühe, sich und die eigenen Möglichkeiten richtig einzuschätzen.
... hat Mühe, eigene und fremde Grenzen zu spüren und zu respektieren.
... errichtet Mauern um sich, lässt niemanden an sich heran.

Konfliktlösung:
Der/die Jugendliche
... sieht keine Möglichkeit, mit anstehenden Problemen umzugehen.

Selbstwertgefühl:
Der/die Jugendliche
... klagt häufig: "Ich weiß nichts... .", "Ich kann nichts... .", oder ist übertrieben selbstsicher:

ABER: Persönliche und soziale Identität
... Neues ausprobieren, Altes auf den Kopf stellen, eigene Erfahrungen machen und auch die Provokation von Autoritäten gehört zum Heranwachsen und hat mit der Suche nach Identität zu tun.

Soziales Befinden

Beziehungen
Der/die Jugendliche
... bricht langjährige Freundschaften ab.
... geht einseitige Beziehungen ein.
... hält Abmachungen nicht ein.
... ist passiv oder sehr dominant.
... sieht sich oft als Opfer.
... hat Schwierigkeiten, im Kontakt mit anderen zu bleiben.

Umgang mit Konflikten, Krisen
Der/die Jugendliche
... sieht keine Möglichkeiten, mit anstehenden Problemen umzugehen.
... reagiert auf schwierige Situationen verzweifelt, oft mit Wutausbrüchen, mit Weglaufen.
... zieht sich in schwierigen Situationen schnell zurück.
... wird in schwierigen Situationen schnell aggressiv und droht mit Gewalt oder scheut vor Gewalt nicht zurück.
...bagatellisiert, weicht bei Konfrontationen aus.

Normen
Der/die Jugendliche
... macht Opposition gegen alles.
... ist sehr brav, unauffällig, überaus angepasst.

Viele dieser Signale (Haltungen und Verhaltenshinweisen) sind bei Jugendlichen alters- und entwicklungstypisch und müssen nicht mit Drogenkonsum, -missbrauch oder Suchtverhalten im Zusammenhang stehen. Treten aber Verhaltensänderungen dieser Art gehäuft und nicht nur phasenweise auf, ist Suchtgefährdung nicht auszuschließen.


© Österreichische ARGE Suchtvorbeugung 2005 ff. || Powered by Website Baker